Graflex Speed Graphic – mein Einstieg ins „echte Großformat“

CIaa-_XW8AACHYRStreng genommen habe ich ja mit meiner Camera Obscura schon den Einstieg ins Großformat geschafft, also das Fotografieren auf Einzelblattnegativen im Format von eben mindestens 4×5 Zoll (also rund 10×12 cm). Das ist ja auch noch das kleinste Großformat, aber schon eine beeindruckende Größe, selbst wenn man sich die Negative einfach nur so, ohne Vergrößerung, anguckt.

Ich liebe meine Camera Obscura, wollte aber mal eine richtige Großformatkamera probieren, dass aber am liebsten für eher kleines Geld. Eine Linhof Technica, Chamonix oder Toyo waren mir zum ausprobieren zu teuer, also musste es was günstigeres sein.

Meine Graflex Speed Graphic habe ich bei eBay von einem Händler aus den USA ersteigert, gut eine Woche später war sie dann auch schon in Deutschland und mußte nur noch von mir beim Zoll abgeholt werden. Zoll? Ach Mist, das hatte ich ja irgendwie völlig vergessen. Kamen halt auf den supergünstigen Preis nochmal 90 EUR drauf – schwupps, war die Kamera schon nur noch günstig und nicht mehr supergünstig. Naja, ist halt so.

Die Bedienung der Kamera ist eigentlich nicht weiter kompliziert, vllt. stelle ich die Tage nochmal ein Video dazu ins Netz.scanScan-150626-0003 Aber die erste und drängenste Frage war ja nun, ob sie überhaupt und richtig funktioniert. Also ein paar Ilford FP4 geladen und die Kamera im Landschaftspark Duisburg ausgeführt.

Und was soll ich sagen? Sie funktioniert! Gerade mal knapp 70 Jahre alt und sie tut immer noch was sie soll. I like 😉

Ein paar mehr Bilder habe ich auf flickr abgelegt.

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Im Hohen Venn

IMG_4847Das Hohe Venn ist als Hochmoor Belgiens größtes Naturschutzgebiet und liegt nicht weit von der deutschen Grenze entfernt zwischen Eupen, Monschau, Malmedy und Spa. Die Landschaft ist eindrücklich, karg und öde (im positiven Sinne). Als Landschaft hat sich auf mich den selben Eindruck hinterlassen, wie Venedig als Stadt, irgendwie morbide halt. Natürlich ist das Hohe Venn nicht schwarz-weiß (so wie früher ja alles 😉 ), aber für mich eine ganz klassische Schwarz-Weiß-Landschaft. Am liebsten irgendwie im Morgennebel im Herbst…

Naja, langer Rede kurzer Sinn. Anfang Mai waren wir mal wieder im Venn, nachdem mein letzter Besuch daran scheiterte, dass nach dem Brand im April 2011 viele Holzstege im Venn noch nicht wieder aufgebaut waren und daher große Bereiche des Venns nicht wieder zugänglich waren. Das ist mittlerweile anders.scanScan-150510-0003

Ich hatte (antürlich) die Pinhole dabei und außerdem mal wieder die Canon 5D. Zum Glück hatte ich alle 5 Kassetten mit Negativen bestückt, so dass ich insgesamt 10 Bilder machen konnte. Es war zwar ziemlich bewölkt an den Tag aber trotzdem so hell, dass die Belichtungszeiten der Pinhole alle zw. 1 und 2 Sekunden lagen. Zwei Negative habe ich beim entwicklen versemmelt, (in den selben Schlitz der Jobo-Spirale geschoben – F**K!), aber 8 sind was geworden. Mittlerweile habe ich auch alle Negative entwickelt, 4 trocknen aber noch vor sich hin und werden erst heute nachmittag den Weg aufs Scannerglas finden.

In jedem Fall ist das Venn für alle Freunde der Naturfotografie ein lohnendes Ziel, wenn auch kein leichtes. Aufgrund der Topografie und der kargen Vegetation verliert sich das Auge schnell und es ist nicht einfach, besondere Motive zu finden, die dann auf dem Bild noch so gut und besonders aussehen, wie man es sich zuvor gedacht hatte. Ging mir zumindest so.

IMG_4885 Einige Bilder aus der Canon habe ich auch in Farbe gelassen, aber irgendwie liegt mir schwarz-weiß doch mehr. Und, ich sagte es ja schon, zum Venn passt das einfach besser. Auch wenn der Nebel fehlte, aber man kann nicht immer alles haben. Das schwarz-weiße Foto oben ist mit der Pinhole (mit dem Ilford FP4) gemacht, das unten mit der Canon. Nachdem ich mit der Nachbearbeitung durch war ist mir erst so richtig aufgefallen, wie ähnlich die am Ende doch aussehen. Ich mag den Look halt einfach: Wolken gerne etwas dramatisch, hoher Kontrast und keine oder wenig Spitzlichter.

 

 

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Hier geht es zu meinem flickr-Album mit Bildern aus dem Hohen Venn.

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Die ersten Erfahrungen mit der Pinhole

Meine camera obscura (den Namen finde ich am schönsten) ist ja Eigenbau. Und weder bin ich der Heimwerkerkönig, noch habe ich perfektes Werkzeug und basteln kann ich nur auf dem Balkon, sprich auch nur, wenn das Wetter mitspielt. Nicht die idealen Voraussetzungen für professionelles Gebastel…

scanScan-150409-0017Darum bin ich auch froh, dass meine Kamera erstaunlich wenig Zicken zeigt. Bei den ersten Bilder war es ein wenig Lichteinfall, der unten in den Ecken zu sehen war. Nicht auf allen Fotos gleich schlimm, manchmal auch gut wegzustempeln, aber gerade bei Langzeitbelichtungen doch recht auffällig.

Taschenlampe in die Kamera, Filmkassette drauf und mit der Kamera in die dunkle Abstellkammer gestellt. Ja, stimmt. Da kommt Licht raus. Und wo welches rauskommt, kommt auch welches rein. Der Fehler war aber schnell gefunden: das Samtband zur Lichtdichtung überlappte an den Ecken etwas und war daher nicht plan. Ich hatte das zwar beim Bau gesehen, aber vermutet, dass sich das durch das Anpressen der Kassette stärker komprimieren würde, der Fehler war aber schnell behoben. Jetzt ist sie („klopf auf Holz„) auch dicht. Trotzdem kaufe ich mir jetzt mal 2 mm dickes Moosgummi, was ich, wenn das Samtband dochmal Ausfallerscheinungen zeigt, als Ersatz nehmen werde.

Wie gesagt, dicht ist sie jetzt. Ich habe mir das Windows-Programm Pinhole Designer runtergeladen, weil es u.a. die Option bietet,  für verschiedene Filme (u.a. auch meinen FP4) und beliebige Blendenwerte die effektive Belichtungszeit (inkl. Schwarzschildeffekt) zu ermitteln. D.h. mit dem Handbelichtungsmesser wird die Blende für die ISO-Zahl des Filmes gemessen und das, was als Belichtungszeit für f22 ermittelt wird, ist die Referenz, aus der man dann mittels Pinhole Designer die Belichtungszeit der Pinhole ableiten kann. Da gibt es zwar auch Apps für, aber aus dem Programm kann man sich ein Excel (in irgendeinem Uraltformat) exportieren und sich dann einfach ausdrucken oder (so habe ich es gemacht) per Mail aufs iPhone schicken. Dann brauch ich nicht noch eine App auf dem Telefon.

Überraschend finde ich zT die Verlängerungen der Belichtungszeiten aufgrund des Schwarzschildeffektes. Gestern ein paar Bilder im Halbschatten gemacht: 25 Sekunden Belichtungszeit. Drei Schritte weiter in den Schatten: 10 Minuten. What? Doppelte Kontrolle… Ja, 10 Minuten. Na dann – kann mir mal jemand einen Kaffee bringen?

Das Einfädeln der Negative im Wechselsack, in dem drei Kassetten, die Riesen-Jobo-Dose, die Riesenspindel sind und in dem schnell eine affige Temperatur herrscht, ist nervenaufreibende Fummelei. Muss man üben. Der Film ist sauteuer (FP4, 25 Blatt kosten knapp 35 EUR). Der Verbrauch an Entwicklerflüssigkeit ist immens. In die Dose gehen 1,3 Liter, selbst bei 1:19 sind das 65ml Amaloco AM74 pro max. 6 Negative. Das muss ich mal sowohl bei den Filmen als auch bei dem Entwickler nach Alternativen gucken. Aber sonst – es macht Spass und die Ergebnisse sind einfach anders und wie ich finde sehr stimmungsvoll:

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Jetzt werde ich mich nach weiteren pinhole-kompatiblen Motiven umsehen müssen… Was sich zB anbietet ist der Landschaftspark Duisburg, wobei ich da demnächst auch mal abends hin will, wenn die Anlage beleuchtet ist. Aber wie man sieht, kann man da mit der Pinhole auch tagsüber interessante Bilder machen (Klick aufs Bild linkt zu flickr, dort dann die aktuell drei letzten Bilder):

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camera obscura. meine camera obscura.

IMG_48394“ x 5 “-Lochkamera. Selbst gebaut mit ein paar Teilen von skinkphoto (Lochblende, Stativplatten). Morgen wird sie auf Lichdichtheit geprüft, um herauszufinden, ob irgendwo anders ausser durch das vorgesehene Loch Licht kommt. Die Planfilmkassetten habe ich be ebay geschossen, Holz, Schrauben (um die Metallteile zu befestigen), Leim, Samtband.

Meine erste Lochkamera und meine erste Großformatkamera… Bin mal gespannt, wie ich mit diesen Negativen in der Entwicklung klar komme. Bin schon ganz hibbelig.

 

Technische Daten

  • Negativgröße 4“ x 5 “ (100 x 126 mm)
  • Brennweite 70 mm (das entspricht ca. 21mm am Kleinbild)
  • Blende 184 (Richtig gelesen, nicht 22 oder so. 184. Das sind 0,38mm Lochdurchmesser)

Die hier war relativ teuer wg. des bei skinkphoto gekauften Zubehörs. Die Lochblende kann man sich aus starker Alufolie selber basteln (ist dann halt eher Zufall wie gross die genau ist), Stativplatten braucht man ja auch nicht unbedingt. Lässt man das Werkzeug weg, was ich extra kaufen mußte (einen Forstner-Bohrer in 40mm) und beschränkt sich auf das schwarze Lackieren auf der Innenseite kann man den ganzen Spaß recht günstig haben.

Kosten:

  • Lochblenden & Stativplatten: ca. 80 EUR
  • Holz: ca. 20 EUR (mit den Resten kann ich aber noch zwei oder drei Kameras bauen)
  • Lack, schwarz & braun, Pinsel: ca. 15 EUR (auch hier reichen die Reste noch für einige Kameras)
  • Edelstahlschrauben: 3 EUR
  • Samtband: 5 EUR (und wieder reichen die Reste für vermutlich zwei Dutzend weitere Kamers)

Planfilmkassetten gibt es gebraucht ab ca. 15 EUR, je nach Modell und Hersteller. Ich habe gleich 5 Stück (Fidelity Elite) gekauft, weil man sie ja nur im Wechselsack bestücken kann und es keinen Sinn macht, mit nur einer Kassette mit 2 Negativen loszuziehen.

Daszu dann noch als Erstanschaffung die Entwicklungsdose für diese Riesenlappen von Negativen. Erst als ich die schon hatte, hat mir Oli nämlich folgenden Link geschickt wie man in einer normalen Dose Planfilme entwickeln kann: http://www.silberbild.info/negativ/planfilme-taco/. Also einige Erstinvestitionen, aber was man hat, das hat man. Haben ist ja schliesslich besser als brauchen.

 

Da drauf gekommen bin ich übrigens, weil ich den Beitrag hier im TV gesehen habe (insbes. ab ca 11:20) …

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