L’Eroica – die Heldenhafte

La bellezza della fatica e il gusto dell’impresa – Der Zauber der Erschöpfung und die Lust am Wagnis.

In die Toskana fahre ich nun mehr oder weniger regelmäßig seit über 20 Jahren, im Schnitt einmal pro Jahr bestimmt. Nicht immer, doch aber immer mal wieder ist auch das Rennrad mit dabei. Aber eigentlich immer das moderne aus Carbon mit irgendwas zwischen 20 und 30 Gängen (mein leider geklautes Stevens SCF 2 hatte 3×10, das neue „nur“ 2×11).

Die Straßen und die Landschaft der Toskana, insbesondere im Chianti-Gebiete, sind zum Fahren einfach traumhaft und was gibt es schöneres, als auf der Tour unterwegs einen Espresso zu schlürfen und sich nach der Tour abends mit italienischem Essen und Rotwein zu belohnen? Nix.

Immer mal wieder sind wir dann an diesen „L’Eroica-Schildern“ vorbegekommen. Als ich solche Schilder das erste Mal gesehen habe, war die Eroica vermutlich auch noch keine 10 Jahre alt. Nachdem zwischendurch mal die Regeln angepasst wurden, ist sie in ihrer Urfassung das größte (?), aber auf jeden Fall das bekannteste Klassikerrennen für Radsportler, wobei sie eigentlich kein Rennen ist, sondern eher Brevet-Charakter hat: es geht nicht um die schnellste Zeit, es gibt aber „Zeitlimite“.

Ansonsten sind die Regeln recht simpel: Das Rad muss Baujahr 1987 oder älter sein, die Bremzüge müssen als Wäscheleinen frei sein (also nicht am Lenker verlegt), das Rad hat eine Unterrohrschaltung zu haben und man fährt mit Riemenpedalen und Klamotten aus der Zeit.

Ausgetragen das erste Mal 1997 mit nur etwas über 90 Teilnehmern hat sie sich über die Jahre zu einer wirklich großen Veranstaltung mit etlichen Ablegern weltweit und für die Toskana zu einer wahren Attraktion entwickelt. Nicht, dass es die Toskana notwendig hätte, sich neben einer endlosen Liste von Kulturgütern, einer wunderschönen Landschaft und gutem Essen und Trinken noch mit weiteren Attraktionen zu brüsten, aber man kommt an keinen Souvenirshop mehr vorbei, ohne das einen das Eroica-Logo anspringt.

Auf dem Weg in die Toskana haben wir auch ab Mailand die ersten anderen Autos mit klassischen Stahlrennrädern auf dem Fahrradträger gesehen, ab spätestens Bologna war sie dann wirklich nicht mehr zu übersehen, die Karawane mit zweirädrigem Altmetall auf dem Weg in den Süden 😉

Irgendwann letztes Jahr habe ich dann den „Schmidt Max“ auf Youtube in der Toskana gesehen. „Schmidt Max“ ist eh lustig und als mir dieser Film vom freundlichen Youtube-Algorithmus zwischen GCN und irgendwelchen bikepacking-Videos vorgeschlagen wurde, bin ich direkt hängen geblieben…

Kumpel Oli war auch schnell überzeugt und so sind wir dann heuer mitgefahren. Ein passendes Rad hatten wir beide nicht, sind aber auf ebay-kleinanzeigen fündig geworden. Meines ist ein GESTA aus der Mitte der 80er Jahre. Gerd Stammel (der Name hinter GESTA) ist ein Kölner Rahmenbauer, die Werkstatt ist im selben Stadtviertel, in dem ich auch wohne. Das ist halt schon cool, ein Rad zu haben, was nicht jeder hat und dann auch noch mit einem starken lokalen Bezug. Am Rad sind im wesentlichen Shimano 600-Komponenten verbaut. Als ich es gekauft hatte, war es zwar in einem guten Zustand, aber mit einem modernen Sattel, einem Mustache-Lenker und 105er-Teilen verbastelt. Dankenswerterweise war aber eine Kiste alter Komponenten dabei, aus der ich mich bedienen konnte.

Pedale, Lenker und einen (kürzeren) Vorbau hat die Werkstatt der Schicken Mütze beigesteuert. An dieser Stelle nochmal mein Dank für die Durchsicht, Reifenmontage etc. Das Rad fuhr auf der Eroica wie ein Traum!

Die Eroica in Gaoile kann man auf Runden zwischen 46 und 209km erleben, die ganz im Sinne alter Zeiten zu einem guten Teil Schotterstraßen enthalten. Tatsächlich fließt sogar ein Teil der Startgebühren in den Unterhalt dieser strade bianche ein, die für die Toskana nahezu die selbe Bedeutung haben, wie das pavé, also das Kopfsteinpflaster für Flandern und Nordfrankfreich – zumindest wenn man den Radsportler fragt. Nicht umsonst gibt es seit 2007 ein nach diesen Straßen benanntes Rennen (nämlich das Strade Bianche) in der Toskana, welches anfangs sogar Monte Paschi Eroica hießund wie man dem alten Namen entnehmen kann, auch mindestens der Idee her nach der Eroica entsprungen ist.

Wir hatten uns für die 106km-Runde entschieden: Alles ab 100km ist ernsthaftes Radfahren, aber wir wollten ja auch Zeit zum Gucken und Genießen haben. Meine reine Fahrzeit war mit 6 1/4 Stunde wegen zwischenzeitlichen Schiebens (bergab!) und Fotos machen schon relativ langsam, insgesamt war ich fast 10 Stunden unterwegs. Man trödelt doch eine ganze Weile rum an den Verpflegungstellen, beim Gucken, Futtern und Schwatzen. Also eigentlich ziemlich perfekt.

Oli als alter Flachlandbewohner hatte mit den Höhenmetern und der aus seiner Sicht etwas zu großen Übersetzung an seinem Rad etwas mehr zu kämpfen, kam dann aber auch eine knappe Stunde nach mir an.

Würden wir es wieder tun? Auf jeden Fall! Mit viel Liebe organisiert, tollste Gegend überhaupt zum Radeln und noch ein Grund mehr, nächstes Jahr wieder in die Toskana zu fahren!

LtD Gravelraid

Laurens ten Dam ist ein ehemlaiger holländischer Radprofi, der in seinem Ruhestand aufs Graveln umgestiegen ist. Unter anderem veranstaltet er seit ein paar Jahren in der Eifel den LtD Gravelraid – ein Wochenende auf dem Rad, mit zelten, Bier, Lagerfeuer, Musik.

Ich war in den beiden Wochen davor eher unfit, von daher bin ich am Samstag nur zwei kurze Runden gefahren und habe mich überwiegend aufs Bier trinken konzentriert 😉

Die Strecken, die ja schon gescoutet und bei Komoot zum Download angeboten wurden, waren zum Teil wirklich anspruchsvoll und hatten zumindest teilweise Singletrail-Charakter. Ich habe dutzende Mitstreiter auch beim Flicken oder Wechseln von Reifen gesehen, meist nach den Abfahrten. Meine mit Schlauch bestückten 40mm G-One auf dem Cannondale haben aber gut gehalten. Insgesamt bin ich mit dem Cannondale für derartige Strecken echt zufrieden und bin froh, dass ich es nicht wie ich mal angedacht hatte, verkauft habe, als das Ritchey hier einzog. Das wäre mir für ein derartiges Rumgeholze zu schade und hat auch echt die komplett falschen Reifen für grobes Gelände drauf.

Ein paar coole Bilder sind trotzdem bei rumgekommen, die ich hier gerne zeigen möchte.

Der Nordseeküstenradweg in Dänemark

Relativ ungeplant kam Anfang oder Mitte August die Idee auf, die Nordseeküste in Dänemark unter die Räder zu nehmen. Der eigentlich geplante Urlaub in Schweden mit dem Wohnmobil hatte sich irgendwie zerschlagen, es blieb aber eine gute Woche freie Zeit übrig. Und vermutlich wieder inspiriert durch Youtube oder irgendeinen Reisebricht im Web kam bei bei die Idee auf, dass es dich ganz cool sei, radelnd durch unser nördliches Nachbarland zu reisen. Corona findet dort aktuell (dank wirklich hoher Impfquoten) nicht mehr statt; Oli und ich sind beide geimpft, sprich Einreise ist auch kein Thema.

Zudem sprach die einfach Anreise für Dänemark – es ist hinreichend „exotisch“, so dass es sich wie Urlaub anfühlt, man kann aber trotzdem mit Zug gut und flott anreisen. Also hätte man, wenn die GDL nicht am Anreisewochenende gestreikt hätte…

Ergo mussten wir dann doch mit den Auto fahren und die Route etwas umplanen. Eifentlich wollten wir mit dem Zug von Oldenburg nach Sylt und dann via Fähre nach Rømø und von dort dann aus auf dem Festland fahren und dann auf dem Rückweg von Aalborg aus über Hamburg zurück nach Oldenburg. So sind wir dann mit dem Auto nach Klanxbüll, wo man es für einen schmlen Taler (soll heißen, 5 EUR am Tag) bewacht stehen lassen kann. Auf dem Rückweg sind wir dafür dann mit dem Zug von Aalborg aus nach Tønder, was quasi das letzte Kaff vor der Grenze ist, zu dem man am Automaten in Dänemark eine Fahrkarte kaufen konnte. Zum Auto waren es dann nochmal ein paar km mit dem Rad.

Eine gute Beschreibung des eigentlichen Nordseeküstenradwegs fndet sich hier. Viele fahren den Weg von Skagen aus Richtung Süden, aber für mich war Skagen von Anfang an das natürliche Ziel, weil es mit dem Ort, an dem sich Nord- und Ostsee treffen ein besonderer Ort ist, zu dem man hinreist, nicht von dem man wegfährt. Und ich weiß auch, dass es streng genommen nicht Nord- und Ostsee sind, sondern Kattegat und Skagerrak. Jaja… Auch egal.

In einer Woche kamen entspannt rund 660km zusammen, mit Tagesetappen zwischen knapp 60km und 120km. Ist ja flach, wir hatten auch noch bestes Wetter, da kann das auch mal mit (leichtem) Gepäck machen.

Wir haben uns nicht ganz sklavisch an die offizielle Ausschilderung gehalten, sondern hin und wieder zum Strecke machen“ bzw. in Hinblick auf das abendliche Ziel angepasst. Geschlafen haben wir ein paar Nächte in Sheltern, ein paar Nächste in Hütten auf Campingplätzen – das war auch ein gute Kombination aus ein bisschen „Abenteuer“ und ein bisschen (wirklich nur ein bisschen!) Komnfort.

Stichwort Shelter: In Dänemark gibt es nicht das selbe Jedermannsrecht wie in anderen skandinavischen Ländern, aber es gibt Lagerplätze, die oft über sehr einfache Schutzhütten verfügen, teilweise aber mit Wasserstelle, Feuerstelle und Plumpsklo. Diese sind meist kostenlos zu benutzen und echt eine sehr coole Idee. Mittels einer App, in der sie alle aufgelsitet sind (inklusive aller Angaben dazu) ist dann auch die spontane Reiseplanung vor Ort wirklich leicht. Kurz mal gucken, wie weit man an dem Tag fahren will, in der App schnell mal geguckt, wo am angedachten Ziel Shelter sind, die Route auf komoot geplant und dann mit dem Garmin synchronisiert. Ähm… Wie hat man das eigentlch damals gemacht, so vor Handy und Internet überall?

Naja, hier mal die Impressionen einer wirklich tollen Woche in Dänemark.

Stilfser Joch

Anfang Juli waren wir im sehr schönen und ruhigem Münstertal in der Schweiz. Eine Woche, in der wir eigentlich wandern wollten, und es auch überwiegend getan haben. Im Münstertal endet (oder beginnt, je nach Sichtweise) der Umbrailpass, der ja eigentlich auch nur ein Abzweig zum Stilfser Joch ist. Da lag es auf der Hand, dass Rennrad mitzunehmen und vom Münstertal ins Vinschgau zu fahren und über Prad, das Stilfser Joch und den Umbrailpass wieder zurück zum Campingplatz.

Das Stilfser Joch bzw. Stelvio bin ich 2007 und 2009 schonmal bei der Tour Transalp gefahren, seinerzeit war ich rauf größtenteils langsamer als heute, runter aber deutlich schneller – runterfahren muss man auch üben…

Herausgekommen ist dann die folgende Tour. Eigentlich recht lässig, hatte ja auch nur einen einzigen Anstieg, und ab der Passhöhe vom Stelvio zurück zum Campingplatz konnte ich es quasi rollen lassen 😉

#ridefar180

Noch nie bin ich so früh im Jahr eine so lange Strecke gefahren. Früher, in meiner ersten Rennradzeit, so zwischen 2005 und 2010, war eh meist bei 150 km Schluss. Und auch an die habe ich mich mittels einger RTFs und Trainingsfahrten im Laufe des Frühjahrs herangetastet.Letztes Jahr habe ich aber wieder konsequent das Rennradeln angefangen und bin dann auch irgendwie auf „dieses Graveln“ aufmerksam geworden. Und nachdem ich im letzten Jahr dann auch Strecken jenseits der 250km relativ locker unter die Räder genommen habe und mir vor sechs Wochen ein Gravelbike zugelegt hatte, musste jetzt auch mal ein Gravelevent her. Johannas Fahrradwelt-Podcast hatte mich zudem letztes Jahr auf die orbit360-Serie aufmerksam gemacht und so kam es, dass ich mich vor ein paar Wochen für #ridefar angemeldet hatte.

Dumm nur, dass der gestrige Sonntag der einzig mögliche Termin war. Die Tour ist abgewandelt von der orbit-Tour zweier Mitstreiter aus Bonn(?), die ich mir gerne als Vorlage genommen habe, um mal Ecken zu befahren, die ich bisher nicht kannte. Ich habe sie mir dann so angepasst, dass ich quasi zuhause losfahren kann.

Was soll ich sagen: windig war es. Sehr windig. Und kalt. Da, wo ich Gegendwind hatte, kam ich teilweise auf keinen 20er Schnitt, wenn er von der Seite kam, hat es mich das eine oder andere Mal fast von der Strasse geweht. Eigentlich hatte ich auch nach 30km deswegen schon keinen Bock mehr. Der Blick auf die Streckenführung verhieß aber, dass der Gegenwind ab km 105 kein Thema mehr sein sollte, sondern dann eher Rückenwind werden wird (weil auf dem Heimweg – der Vorteil oder Nachteil von Rundkursen, je nachdem) und das dann auch die allermeisten Höhenmeter hinter mir liegen würden. Also gute 100km beißen und dann 80km nach Hause segeln.

So war es dann auch. Und „beißen“ war es nicht zu knapp: Alleine, keine Ablenkung, das Gefühl eigentlich gar nicht vorwärts zu kommen bei Windstärke 4 und 5 von vorne kann schon nerven. Aber ich will Brevets fahren und das meiste passiert währenddessen im Kopf, ebenso trainiert werden will wie Ausdauer und Muskulatur. Mit ausreichender Grundlagenausdauer kann man „jede“ Strecke fahren (wenn man sich keine Verletzungen zuzieht und ausreichend für Verpflegung sorgt), die mentale Komponente wird aber bei zunehmender Streckenlänge immer wichtiger. Das „sich durchbeißen können“, auch wenn es gerade mal keinen Spaß macht, eine wichtige Fähigkeit, um lange Strecken bewältigen zu können. Ich denke, ein guter Teil dieser Fähigkeit kommt aus gemachten Erfahrungen und ergo aus dem Zutrauen in die eigene Leistungs- und Leidensfähigkeit. Dazu gehört halt auch, im Training bei in Nässe, Kälte, Dunkelheit etc. unterwegs zu sein, wenn man im Bewerb darauf vorbereitet sein will.

Den Wind beschimpfend habe ich mich also die ersten 105km über Bornheim, an Euskirchen und Zülpich vorbei in den Hürtgenwald gearbeitet und dabei drei Cliffbar und eine Tüte Seeberger Trailmix (sehr lecker, weil salzig) vertilgt. Trotz Pasta am Vorabend und Haferbrei zum Frühstück war das Fahren bei den Temperaturen und das beständige gegen den Wind ankämpfen außerordentlich kraftraubend. Die Strecke war, da trocken, überwiegend und auch auf den Gravelabschnitten (in Summe ca. 20 bis 25% der Strecke) gut zu fahren. Nass wäre das bestimmt unlustiger gewesen.

Bei Euskirchen habe ich mir gedacht, dass ich an der nächsten Tanke mir nochmal Wasser und ein Brötchen holen werde, die muss ja schliesslich gleich kommen… Harhar. Das waren dann noch gute 50km oder so. Anyway, an der ARAL-Tanke in Dingenskirchen (keine Ahnung, wie das Kaff hieß) noch ein Nuss-Nougat-Hörnchen und ein Wasser geholt und dann weiter.

So schön überwiegend der erste Teil der Strecke war (naja, selbst da ist „schön“ relativ, die Voreifel ist eher flach und öde), so erschütternd war der zweite Teil. Vorbei am Tagebau und durch Manheim durch, welches quasi eine Geisterstadt ist (die Hälfte der Häuser schon abgerissen oder verlassen, der kärgliche Rest noch bewohnt (von wem nur???)) und durch den Hambi und über die alte A4. Postapokalyptische Anmutung at its best. So traurig. Wer auch immer heute noch meint, dass es eine gute Idee sei, Europas größtes Loch zu graben, dafür tausende Menschen ihrer Heimat zu berauben und dann den Kohle-Aushub als CO2 in die Luft zu blasen, hat echt nicht mehr alle Latten am Zaun.

Bei km155 habe ich eine kurze Pause für Cliffbar Nr. 4 gemacht und dabei versehentlich die Aufzeichnung im Garmin beendet. Laut fluchend also einen neuen Track gestartet und die beiden Tracks für die Komoot-Aufzeichnung abends manuell wieder zusammengefügt. In meinem Strava sind die beiden Einzeltracks zu sehen: strava.com/athletes/20567312

Gear-Talk: Fjällräven Abisko Friluft 45

Ja, ich gebe es zu: ich mag die Klamotten und das Ausrüstungsgedöns von Fjällräven. Ich mag den Look, die Haptik, die Wertigkeit, die Durchdachtheit und die Robustheit. Ok, ich mag nicht den Preis, den die Schweden für ihr Zeugs aufrufen. Aber selten nur habe ich jemals die UVP bezahlt. Meistens findet man die Sachen dann doch off- oder online irgendwo günstiger.

Natürtlich sieht man Fjällräven mittlerweile auch in den Fußgängerzonen, aber trotzdem funktionieren die Sachen von denen einfach auch da, wo es darauf ankommt. Eine bessere Wanderhose als die Keb habe ich noch nie gesehen oder angehabt (wie insgesamt die ganze Keb-Serie für mich mit das beste ist, was es für anspruchsvolle Wandertouren gibt), aber was man echt so gut wie nie in freier Wildbahn sieht, sind die Rucksäcke aus der Friluft-Reihe. Fjällräven-Rucksäcke habe ich einige, aber der meistgenutzte dürfte wohl der Abisko Friluft 45 sein.

Nachdem man die Produktbeschreibung ja auch einfach bei Fjällräven selbst nachlesen kann hier mal ein paar Eindrücke von mir. Zunächst aber die Antwort auf die ungestellte Frage, wie bzw. ich wo ich den Rucksack genutzt habe… Zum einen als eigentlich viel zu großen und deswegen nur halbvollen Rucksack auf Tagestouren in der sächsischen Schweiz, der Eifel, dem Siebengerbirge und aber auch auf wirklich anspruchsvollen Touren in den Alpen, sei es Tages- oder Mehrtagestouren, so u.a. auch letztes Jahr auf der Hüttentour durchs Verwall. Egal, ob viertel-, halbvoll oder ganz voll, insgesamt habe ich den sicher einige hundert km und tausend HM durch die Gegend bewegt.

Neben der fjällräventypischen Robustheit (verbunden mit einem eher nicht als ultraleicht zu bezeichnendem Gewicht) und seinem wirklich super Tragekomfort ist er mal wieder durchdacht wie die meisten Produkte aus dem dem selben Haus. Sei es die kleine Pfeife am Burstgurt (warum haben die eigentlich nicht alle Wanderrucksäcke?), die beiden Taschen am Bauchgurt, die Möglichkeit, den Rucksack von vorne und nicht nur von oben zu beladen aber in diesem Fall auch die gebogene Form auf der Rückseite in Kombination mit dem Meshgewebe am Rücken, die für mich der größte Vor- und gleichzeitg auch Nachteil ist: Fjällräven schreibt, das sei ideal für feucht-heiße Klimata und das ist sicher auch richtig, weil man am Rücken weniger schwitzt bzw. die Feuchtigkeit besser entweichen kann.

Tatsächlich ist das aber fast sogar noch wichtiger, wenn es kalt und nass ist. Schon mal bei Temperaturen um den Gefrierpunkt so richtig ins Schwitzen gekommen und nass geworden, weil die Feuchtigkeit, so lange man in Bewegung war und den Rücken mit einem Rucksack „versiegelt“ hat, nicht entweichen konnte? Das ist mal richtig ätzend. Im Sommer ist es nur unangenehm, aber im Winter kann das auch wirklich zum Problem werden, wenn man dann keine ausreichenden Wechselklamotten dabei hat und sich nicht aufwärmen kann. Tunlichst sollte man im Winter vermeiden, ins Schwitzen zu geraten, aber immer geht das halt nicht. Und da ist es also doppelt wertvoll, wenn sich die Feuchtigkeit nicht am Rücken staut und man es erst merkt, wenn man den Rucksack mal bei einer Pause eine zeitlang absetzt und dann entsprechend auskühlt.

Zudem: Bei Rucksäcken, die direkt Rücken anliegen, kommt es gerne mal vor, dass bei einem ausgiebigen Regen, das Wasser nicht vorne in den Rucksack eindringt, sondern am Rücken, wo es oben an den Schultern zwischen Jacke und Rucksack schön langsam runterläuft und sonst nirgendwo hinkann außer eben in den Rucksack selbst und sich dann nach einiger Zeit auch den Weg hinein sucht (und findet!). Auch hier zahlt sich die Form aus: das Wasser läuft ab und der Inhalt des Rucksacks bleibt trocken.

Aber kein Vorteil ohne Nachteil und den will ich nicht verschweigen – wobei du selber entscheiden musst, wie wichtig dir das ist: durch die gebogene Rückenform taugt er weniger für den Weg zur Uni oder so, weil man Laptop, Ordner o.ä. nicht gut reinbekommt und man den Platz, den der Rucksack bietet, nicht gut ausnutzen kann.

Zudem, und das ist das eigentlich größere „Problem“, wenn es denn eines ist, führt die Form dazu, dass der Schwerpunkt weiter vom Körper entfernt ist. Meistens wird man das kaum merken, aber die bei Touren, wie wir sie in den Alpen machen, ist auch schonmal Kletterei dabei. Nichts ganz wildes, aber wenn es senkrecht den Berg hochgeht, man auch beide Hände braucht, sich mal wo hoch ziehen oder drücken muss und dabei beweglich bleiben will, kann sich das durchaus störend bemerkbar machen, wenn das Gewicht am Rücken nicht so körpernah wie möglich anliegt. Zudem ist der Rucksack schmal und dafür recht lang, da kann es auch mal passieren, dass man mit dem Kopf oder der Kopfbedeckung (mein Wanderhut hat eine Krempe) anstößt. Kann nerven, kann doof sein – muss aber jeder selber wissen. Ich denke auch, dass er mit 12kg (oder nicht zu viel mehr) gut ausgelastet ist. Je schwerer, dessto mehr fällt der o.g. Punkt halt „ins Gewicht“ 😉 Davon, dass er dann aber am Rücken beim Gehen von links nach rechts schwingt, wie mal jemand einem Youtube-Video meinte, kann ich nichts berichten.

Für eine klassische Hüttentour ist der 45er eigentlich zu groß, aber in Corona-Zeiten war im Sommer 2020 das Gebot, u.a. einen eigenen Schlafsack mit auf die Hütten zu nehmen. Dafür war das zusätzliche Volumen dann wieder ganz ok. Es gibt ihn auch in 35 Liter (bzw. auch in 55, 65 und 75 Liter, die fallen aber einfach in eine ganz andere Rubrik als ihre zwei kleinen Geschwister, weil sie für mich eher Trecking-Rucksäcke sind), ich habe aber auch einen 30er von Deuter und da war mir ein 5 Liter Abstand zu gering. Ich wollte einen Rucksack, der deutlich größer ist als der 30er, aber Luft zu meinem 75er Kajka lässt. Und die Lücke füllt er so gut und mit so viel Komfort, dass ich ihn wie schon geschrieben, oft nur halbvoll auf Tagestouren mitnehme, einfach weil er sich so gut trägt. Dafür bleibt der kleinere und leichte Daypack dann zuhause.

Kaufempfehlung? Jepp. Guckt halt, dass ihr ihn irgendwo unter UVP findet, aber das sollte eigentlich kein großes Thema sein.

Das Schweizer Taschenmesser

…ist ja so das Synonym für ein All-in-one-Ding an sich. Die Allzweckwaffe halt. Kann alles, aber nix so gut, wie das jeweils richtige Werkzeug. Etwas, über das der Engländer (oder Ami in diesem Fall) sagen würde, it does the job.

Mein zweirädriges Schweizer Taschenmesser ist vor ein paar Tagen hier eingezogen. Schon seit dem letzten Herbst und der fixen Idee, mich künftig altersgerecht auf „lang“ statt „schnell“ zu konzentrieren, hatte ich ja über ein anderes Fahrrad genau für diesen Zweck nachgedacht und hatte dabei eine kleine Checkliste als Pflichtenheft aufgestellt. Die Idee dahinter war, dass es ein Rad werden soll, mit dem man eher komfortorientiert, sorgenfrei lange Strecken fahren kann. And here it is…

Es ist ein Gravelrad, obwohl ich gar nicht graveln will. Kein Rennrad, um damit wirklich Rennen zu fahren (was ich eh nicht tue), aber schnell ist es trotzdem; kein klassiches Reiserad, aber reisen kann man damit auch. Ein Schweizer Taschenmesser halt. Ein Rad, mit dem ich Brevets fahren oder bikepacken und dabei auch mal abseits asphaltierter Straßen unterwegs sein kann. Solide Technik, außen verlegte Züge, komfortabler Stahlrahmen und Carbongabel für den Comfort. Langer Radstand und damit eher laufruhig als agil.

Heute, bei laut Wetter-App gefühlten minus 8 Grad, war ich das erste Mal damit kurz unterwegs, weil es mich halt tierisch gejuckt hat, das Rad draussen zu bewegen. Wirklich nur kurz, weil echt zu kalt. Anyway. ich glaube meine anderen Räder werden in der nächsten Zeit sehr, sehr einsam werden 😉

Riesendank an die Jungs der Schicken Mütze, die mir das Rad nach toller Beratung so perfekt zusammengestellt und -gebaut haben!

Köln/Bergisches Land BRM 200 km

Bonjour!

Mein erstes Brevet liegt hinter mir. 200km durchs Bergische Land und Sauerland mit zusammen knapp 2.500 Höhenmetern. Gestartet morgens um kurz nach 8 bei 15 Grad, zum Ende fiel die Temperatur auf irgendwas Richtug 10 Grad und zwisvhen km 110 und 170 hat es durchgehend geregnet. Eigentlich ein total usseliges Wetter, bei dem man (ich!) lieber auf der Couch bleibt, aber Brevet heißt „Prüfung“, und die bestand für mich gestern darin, bei dem Wetter eine recht lange Strecke mit für mich ungewohnt vielen Höhenmetern zu fahren. Also körperliche Belastung in Kombination mit „Nass & Kalt“ auszuhalten.

Ich hatte wirklich gute Regensachen dabei und war um die auch echt froh. Einige Mitstreiter hatten gar keine Regenklamotten dabei und waren entsprechend ausgekühlt. Einige haben wohl auch unterwegs aufgegeben und auf die DB zurückgegriffen. Fette kudos an alle, die das durchgezogen haben, obwohl sie vermutlich bis auf die Haut nass und entsprechend ausgekühlt waren!

Ich werde wohl den Winter durchfahren müssen, um auch da etwas „abgehärteter“ zu werden – was vermutlich auch stark Kopfsache ist.

Aber Brevets machen Bock. Kein Stress wie bei Jedermannrennen, keine Szene, die Sockenlänge diksutiert und sonstige Style-Themen wahnsinning hochhält, sondern entspannte Individualisten, die nicht die ganze Zeit mit dem Messer zwischen den Zähnen rumfahren. Stattdessen unterwegs auch mal ’ne Pommes ist, oder so wie einige andere auch mal ein Bier unterwegs trinkt. Wobei ich danach vermutlich hätte aufgeben müssen. Dafür hat das Bier danach umso besser geschmeckt…

Gedanklich bastele ich mir gerade eine Randonneuse zusammen:

  • Stahlrahmen, ggf. aber mit Carbongabel.
  • Relativ entspannte Sitzposition
  • Möglichkeit, Taschen anzubringen, also entsprechende Bohrungen an geeigneter Stelle
  • Vorne dauerhaft einen kleinen Gepäckträger
  • Schutzbleche
  • Nabendynamo und fest verbautes Licht vorn und hinten
  • Shimano 105 oder Ultegra (105 reicht eigentlich, Ultegra macht das Rad zwar leichter, aber auch dramatisch teurer) – oder doch etwas aus dem MTB-Bereich wegen des nächsten Punkts:
  • Mittelgebirgstaugliche Übersetzung (also eher steile als lange Anstiege): darum mit Rettungsring. Trotzdem mit der Möglichkeit, im flachen Gelände bei rund 80RPM Tempo zu machen.
  • Vielleicht eher Felgen- als (hydraulische) Scheibenbremsen (sind weniger aufwändig in der Wartung und man kann zu Not auch unterwegs mal etwas dran fixen, wenn nötig.

Man kann also sagen, ich bin offiziell angefixt 😉

Mein erster 300er

Pfingsten war ich von Köln aus zu Freunden in der Nähe von Oldenburg geradelt, um sie nach dem Lockdown endlich mal wieder zu sehen und habe damals dafür zwei Tage gebraucht. Das hat mich gefuchst – also, dass ich das einem Tag absolut nicht hätte schaffen können.

Ergo einen Masterplan aufgestellt: das andere Rennrad (weil schneller), am Rad nur notwendiges Zeug wie Futter und ggf. Regensachen, unterwegs keine ausgiebigen Pausen machen und dann mal gucken. Meine Wechselklamotten habe ich Oli schon eine Woche vorher mit der Post geschickt…

Freitags abends ordentliches Carboloading betrieben. Der Wecker ging Samstag morgen um zwei, um halb vier bin ich zuhause los.

Nach knapp 324km war ich rund 15 1/2 Stunden später am Ziel (netto 12:06h)!

Der Tour zum Opfer fielen der Schlauch und Mantel am Vorderrad (Snakebite und ergo platt), vier Powergels, zwei oder drei Cliffbar, ein Käsebrötchen, ein Croissant mit Schokolade, eine Tüte Seeberger Trail Mix (sehr lecker!) und als Lebensretterin so nach ca. 270km eine Tafel Ritter Sport Alpenmilch 😂

Die ersten 200km liefen echt recht locker, danach war klar, dass ich das relativ gut in einer für mich passablen Zeit packen kann. Trotzdem würde es zwischen km 250 und 280 etwas zäh, aber tatsächlich hat mich die kleine Pause und die Schokolade echt wieder auf die Beine gestellt. So habe ich auf den letzten km, vielleicht auch nur, weil es eben die *letzten* km waren, nochmal richtig Gas geben. Komplett unnötig war nur der Platten nach 70km, dem der nagelneue Schlauch sein vorzeitiges Ableben verdankt hat. Zum Glück hat aber der Mantel trotz eines Risses in der Flanke auf einer Seite problemlos gehalten. Gesehen habe ich den Riss auch erst auf der Rückfahrt im Zug.

Heute etwas schwere Beine, sonst aber alles OK. Auch bei der Fahrthane ich keine Probleme mit dem Heck, den Schultern oder so gehabt. Es lief einfach echt gut.

Fazit: das war meine bisher längste Fahrradfahrt am Stück 😎

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