Köln/Bergisches Land BRM 200 km

Boinjour!

Mein erstes Brevet liegt hinter mir. 200km durchs Bergische Land und Sauerland mit zusammen knapp 2.500 Höhenmetern. Gestartet morgens um kurz nach 8 bei 15 Grad, zum Ende fiel die Temperatur auf irgendwas Richtug 10 Grad und zwisvhen km 110 und 170 hat es durchgehend geregnet. Eigentlich ein total usseliges Wetter, bei dem man (ich!) lieber auf der Couch bleibt, aber Brevet heißt „Prüfung“, und die bestand für mich gestern darin, bei dem Wetter eine recht lange Strecke mit für mich ungewohnt vielen Höhenmetern zu fahren. Also körperliche Belastung in Kombination mit „Nass & Kalt“ auszuhalten.

Ich hatte wirklich gute Regensachen dabei und war um die auch echt froh. Einige Mitstreiter hatten gar keine Regenklamotten dabei und waren entsprechend ausgekühlt. Einige haben wohl auch unterwegs aufgegeben und auf die DB zurückgegriffen. Fette kudos an alle, die das durchgezogen haben, obwohl sie vermutlich bis auf die Haut nass und entsprechend ausgekühlt waren!

Ich werde wohl den Winter durchfahren müssen, um auch da etwas „abgehärteter“ zu werden – was vermutlich auch stark Kopfsache ist.

Aber Brevets machen Bock. Kein Stress wie bei Jedermannrennen, keine Szene, die Sockenlänge diksutiert und sonstige Style-Themen wahnsinning hochhält, sondern entspannte Individualisten, die nicht die ganze Zeit mit dem Messer zwischen den Zähnen rumfahren. Stattdessen unterwegs auch mal ’ne Pommes ist, oder so wie einige andere auch mal ein Bier unterwegs trinkt. Wobei ich danach vermutlich hätte aufgeben müssen. Dafür hat das Bier danach umso besser geschmeckt…

Gedanklich bastele ich mir gerade eine Randonneuse zusammen:

  • Stahlrahmen, ggf. aber mit Carbongabel.
  • Relativ entspannte Sitzposition
  • Möglichkeit, Taschen anzubringen, also entsprechende Bohrungen an geeigneter Stelle
  • Vorne dauerhaft einen kleinen Gepäckträger
  • Schutzbleche
  • Nabendynamo und fest verbautes Licht vorn und hinten
  • Shimano 105 oder Ultegra (105 reicht eigentlich, Ultegra macht das Rad zwar leichter, aber auch dramatisch teurer) – oder doch etwas aus dem MTB-Bereich wegen des nächsten Punkts:
  • Mittelgebirgstaugliche Übersetzung (also eher steile als lange Anstiege): darum mit Rettungsring. Trotzdem mit der Möglichkeit, im flachen Gelände bei rund 80RPM Tempo zu machen.
  • Vielleicht eher Felgen- als (hydraulische) Scheibenbremsen (sind weniger aufwändig in der Wartung und man kann zu Not auch unterwegs mal etwas dran fixen, wenn nötig.

Man kann also sagen, ich bin offiziell angefixt 😉

Mein erster 300er

Pfingsten war ich von Köln aus zu Freunden in der Nähe von Oldenburg geradelt, um sie nach dem Lockdown endlich mal wieder zu sehen und habe damals dafür zwei Tage gebraucht. Das hat mich gefuchst – also, dass ich das einem Tag absolut nicht hätte schaffen können.

Ergo einen Masterplan aufgestellt: das andere Rennrad (weil schneller), am Rad nur notwendiges Zeug wie Futter und ggf. Regensachen, unterwegs keine ausgiebigen Pausen machen und dann mal gucken. Meine Wechselklamotten habe ich Oli schon eine Woche vorher mit der Post geschickt…

Freitags abends ordentliches Carboloading betrieben. Der Wecker ging Samstag morgen um zwei, um halb vier bin ich zuhause los.

Nach knapp 324km war ich rund 15 1/2 Stunden später am Ziel (netto 12:06h)!

Der Tour zum Opfer fielen der Schlauch und Mantel am Vorderrad (Snakebite und ergo platt), vier Powergels, zwei oder drei Cliffbar, ein Käsebrötchen, ein Croissant mit Schokolade, eine Tüte Seeberger Trail Mix (sehr lecker!) und als Lebensretterin so nach ca. 270km eine Tafel Ritter Sport Alpenmilch 😂

Die ersten 200km liefen echt recht locker, danach war klar, dass ich das relativ gut in einer für mich passablen Zeit packen kann. Trotzdem würde es zwischen km 250 und 280 etwas zäh, aber tatsächlich hat mich die Kette Pause und die Schokolade echt wieder auf die Beine gestellt. Tatsächlich habe ich auf den letzten km, vielleicht auch nur, weil es die letzten km waren, nochmal richtig Gas geben. Komplett unnötig war nur der Platten nach 70km dem der nagelneue Schlauch sein vorzeitiges Ableben verdankt hat. Zum Glück hat aber der Mantel trotz eines Risses in der Flanke auf einer Seite problemlos gehalten. Geseheni habe ich den Riss auch erst auf der Rückfahrt im Zug.

Heute etwas schwere Beine, sonst aber alles OK. Auchc beic der Fahrt schon keine ernsthaften Probleme mit dem Heck, den Schultern oder gehabt. Es lief einfach echt gut.

Fazit: das war meine bisher längste Fahrradfahrt am Stück 😎

https://strava.app.link/Vp6ZrkfVl9

Von der Nordsee zum Dom

Wir waren am Wochenende bei Freunden in Holland, und irgendwie hatte ich die fixe Idee, von da aus mit Rad nach Hause zu fahren. Knapp 11 Stunden auf dem Rad und gut 270km…

Es ging ganz gut, irgendwann fing das linke Knie an zu zicken, aber mit bewusst angepasster Beinehaltung ließ sich das in den Griff bekommen. Die Arme sind dann irgendwann lahm geworden, deswegen kommt jetzt für so lange Touren ein Clip-On-Aerobar an den Lenker.

https://www.relive.cc/view/v36ArB5x3Zq

Gear-Talk: Bikepacking-Taschen von Ortlieb

Ich habe seit eh und je Ortlieb-Taschen für meine (viel zu seltenen) Radtouren mit Gepäck. Die letzte vor Jahren war vor über 10 Jahren mit Oli in Irland. Meine Seitentaschen und Lenkertasche habe ich aber schon seit eher 20 Jahren. Zugegebenermaßen nicht oft genutzt, aber einfach super und im Design auch bis heute kaum verändert. „Damals“ gab es ja auch wenig Alternativen zu Orlieb, wenn es wasserdicht sein sollte.

In den letzten Jahren gibt es „bikepacking“ als neuen Trend – eher kleine, schmale Taschen, die rund ums Rad verteilt werden und dort mit Riemen und Schnallen befestigt werden. Der erste große Vorteil ist, dass man diese Taschen an Rädern befestigen kann, die nicht über einen Gepäckträger o.ä. verfügen. Der zweite große Vorteil ist die bessere Gewichtsverteilung, die man damit erzielen kann (jeder der schon man große Seitentaschen am Rad hat, weiß wie „schwabbelig“ sich das Rad dann anfühlt) und die vermutliche bessere Aerodynmaik. Man steht halt nicht im Wind wie eine Gelsenkirchener Schrankwand 😉

Die komplette bikepacking-Ausrüstung

Nachdem ich im Moment für meine Verhältnisse wieder viel Rad fahre, habe ich mich mich mal ausgestattet, frei nach dem Motto „haben ist besser als brauchen“ 😉

Das ganze sieht dann jetzt so aus (alles Ortlieb, außer es steht dabei):

Also, der Spaß ist mal nicht billig. Ortlieb ruft für das komplette Set lockere 435 bis 450 EUR auf – im Handel zahlt man dann vielleicht 20% weniger, wenn man ein Angebot findet. Immer noch kein Schnapper… Aber was bekommt man denn dafür:

Das Seatpack ist super. Lässt sich in 2 Minuten am Sattel festmachen, hat mit 16,5 Litern ein üppiges Volumen, oben drauf noch Riemen um eine Jacke oder irgendwelchen Kleinkram dran festzumachen. Gedacht sind diese Satteltaschen für großvolumiges, aber eher leichtes Gepäck, also z.B. Kleidung oder einen Schlafsack. Sitzt recht fest und wackelt auch nicht, wenn im Wiegetritt das Rad in Querbewegung gerät.

Das Framepack ist ebenfalls top. Sitzt gut am Rad, lässt sich auch recht einfach befestigen und dafür gedacht, schweres kleines Zeug aufzunehmen. Dem Framepack fallen bei meinen Rädern die Trinkflaschenhalterungen zum Opfer, für die dann im Rahmendreieck kein Platz mehr ist. Darum die beiden Pouches, die ich dann je eine links und rechts vom Vorbau mit den Riemen der Lenkertasche befestigt habe. Die beiden Dinger sind dann auch super, die Flaschen haten da wirklich gut drin, sind aber auch gut rein und rauszunehmen. Genausogut kann man in den Taschen Riegel oder ähnliches verstauen. Coole, kleine Dinger!

Das Cockpit Pack für Riegel oder Geldbörse ist okay, aber nicht großartig. Es müßte größer sein, dann würde auch ein moderndes Smartphone reinpassen. Mein Huawei P20 ist zu groß und der Reißverschluss ist derartig schwergängig, dass man es beim Fahren kaum auf bzw. vor allem wieder zu bekommt. Aber es erfüllt seinen Zweck.

Die Handlebar Pack ist so lala. Total nervig zu befestigen, in der kleinen Variante wirklich klein und auf dem Dropbar schlecht zu öffnen und wieder zu schliessen. Die große passt aber nicht an einen Dropbar (zumindest nicht an meinen, weil sie zu breit ist). Schlafsack und Isomatte passen da nur in der Winzausführung rein. Außerdem lässt sie die Tasche (zumindest an meinem Rad) nur so befestigen, dass sie relativ weit herunterhängt. Und zwar so weit, dass das Accessory Pack mir auf dem Vorderrad vorne auf dem Rad zwei- oder dreimal aufsetzte und ich das erst nicht gemerkt habe. Jetzt hat sie unten ein Loch ;-(

Ist jetzt mit Gaffatape geklebt, aber natürlich trotzdem murks. Für mich sind die beiden Taschen irgendwie eine kleine Fehlkonstruktion und werden vielleicht gegen diese hier getauscht: https://www.bike-packing.de/revelate-designs-handlebar-harness-lenkergeschirr. Das „Geschirr“ hat den Vorteil, dass man eine normale Gepäckrolle dort befestigen und auch recht flott vom Rad abmachen kann, wenn man das Gepäck darin schnell und komplett mal mit ins Zelt oder aufs Hotelzimmer nehmen will. Die Ortliebtasche abzubauen dauert echt ewig und ist total fummelig.

Das kleine Setup…

Es geht auch kleiner: Nur das Seatpack und eine kleine Vaude-Rahmentasche (https://www.vaude.com/de-DE/Ausruestung/Fahrradtaschen/Rahmentaschen/Cruiser-Bag?number=127120230) und das Cockpit-Pack. Das Seatpack ist wie man sieht echt voll, aber da war auch ein Schlafsack, zwei T-Shirts, Unterwäsche, eine Hose, ein paar Schuhe und eine Waschtasche drin. In der Rahmentasche ist Platz für Werkzeug, Ersatzschlauch und ein wenig Kleinkram. Das reicht dann für einen Overnighter, bei dem man nicht draussen pennt.

Fazit: Der Krempel von Ortlieb ist teuer, aber vergleichbare Produkte sind nicht wirklich billiger. Die Taschen am Rad zu befestigen ist teilweise nervige Bastelei, da weiß ich nicht, wie das bei anderen Produkten gelöst ist; hängt vielleicht auch vom Rad ab, wie gut zugänglich manche Ecken und Winkel am Rahmen sind. Die Verarbeitung ist ortliebtypisch gut und manche Details sind auch gut gelöst (wie z.B. das Luftauslassventil am Seat Pack, um die Luft rauszulassen, die beim zusammenrollen das Ding sonst aufblähen würde). Teilweise sind aber auch echt grobschlächtige Details verbaut: so finde ich die Metallhaken, mit denen man das Accessory Pack am Handlebar Pack befestigt, überdimensioniert – aber sie tun ihren Job. Aussehen tun sie aber, als wären sie aus einer russischen Eisenbahnschiene von Hand gedengelt.

Man bekommt nur begrenzt viel Gepäck unter, und normale Isomatten und Schlafsäcke quasi gar nicht. Im Vergleich dazu ist die klassische Lösung mit Gepäckträger und Seitentaschen (und vielleicht Frontrollern oder Lenkertaschen) einfacher, wenn „viel“ Gepäck inkl. Zelt oder so mit soll.

In einem Satz: gut, aber nicht perfekt und teuer. Lohnt sich eigentlich nur, wenn man es intensiv zu nutzen gedenkt oder ein Rad hat, an dem man klassische Taschen wirklich nicht montieren kann.

Spart Pickup – ein Panzer auf zwei Rädern

Oder, man nimmt halt direkt sowas fürs bikepacking, da geht dann auch vorne ’ne Kiste Bier rein 😉

Änderungen bei der Strava-Mitgliedschaft – und was so an Abo-Modellen für Sport-Apps anfällt

Heute hat Strava seine Mitglieder informiert. dass sie Anpassungen in den Mitgliedschaftsmodellen geben wird. Strava Summit mit der Möglichkeit, sind für das große Summit-Paket (59,99 EUR p.A.) oder drei kleinere und günstigere Pakete (Training, Sicherheit und Analyse, je 23,49 EUR p.A.) wird wieder abgeschafft.

In diesem Zuge werden bisher kostenlose Features beschränkt oder ganz in die neue Mitgliedschaft überführt. Die kostenpflichtige Mitgliedschaft wird attraktiver und gleichzeitig einfacher gestaltet, die kostenlose entsprechend unattraktiver.

Strava schreibt dazu in der Mail, die diese Änderungen ankündigt: „Auch einige unserer neu entwickelten Funktionen werden nur für Mitglieder zugänglich sein – wir investieren also am meisten in die Sportler, die auch in uns investieren.“

Ist legitim. Auch ein Start-Up muss irgendwann anfangen, schwarze Zahlen zu schreiben. Was ändert sich aber nun genau?

Strava schreibt dazu: „Neue Funktionen für Mitglieder, die bisher kostenlos waren„, hierzu gehören u.a.:

  • Die vollständige Segment-Bestenlisten (die Top 10 sind nach wie vor kostenlos)
  • Vergleichen, Filtern und Analysieren von Segmentleistungen
  • Routenplanung auf strava.com mit besseren Karten und Segmentunterstützung
  • Vergleichbare Läufe: Analysiere deine Leistungen von identischen Läufen im Laufe der Zeit

Nun, wenn sie bisher kostelons waren, sind sie nicht neu. Sie sind nur jetzt kostenpflichtig. „Loss of functionality“ nennt man sowas wohl (in der Gratis-Variante halt). Im Einzellfall kann ich das gar nicht sagen, weil ich seit einigen Monaten eh das Komplettpaket bei Strava habe und nicht mehr genau sagen, was in der kostenlosen Variante dabei war.

Aber: der gößte Knaller ist wohl der Wegfall der detaillierten Segmentbestenlisten in der kostenlosen Mitgliedschaft. Gerade die Segmente sind vermutlich das, was Strava für viele Nutzer so spannend macht.

Und, what’s in for the money? „Neue Funktionen für Mitglieder“:

  • Eine umfassende Aktualisierung der Routen mit Planungen & Empfehlungen in iOS und Android
  • Vergleichbare Radfahrten: Analysiere deine Leistungen von identischen Fahrten im Laufe der Zeit
  • Lass dir sämtliche Trainings im Trainingstagebuch in iOS anzeigen
  • Die Trainingsanalyse ist jetzt für alle Sportarten verfügbar
  • Auf Steigung angepasstes Tempo (SAT) jetzt in iOS und Android
  • Demnächst: eine komplett neue Art, auf Segmenten gegeneinander anzutreten …

Hm… Routing halte ich für duchaus komplex in der Entwicklung. Dafür darf man schon Geld nehmen. Der Punkt mit den vergleichbaren Radfahrten hingegen ist doch eher eine Kopie der Funktion, die es fürs Laufen eh schon lange gab. Da steckt intern vermutlich kein riesiger Aufwand dahinter. Trotzdem aber ein nettes Feature, was ich beim Laufen gerne nutze. Die Trennung oder Hervorhebung von iOS und Android finde ich aber extrem unpassend. Ja, im Zweifelsfall müssen Features doppelt entwickelt werden (bzw. dreimal: Web, iOS-App und Android-App). Aber für mich als User muss es gleich sein, welches mobile Betriebssystem ich nutze, ich erwarte einfach, dass auf allen Plattformen die selben Features zur Verfügung stehen. Dafür zahle ich. Einen Unterschied zwischen Web und mobilen Devices (also den Apps) sehe ich ja noch ein, aber das sich iOS und Android im Funktionsumfang unterscheiden, finde ich ich für eine nicht kostenlose Plattform nicht akzeptabel.

Was hat Strava also getan:

  • die kostenlose Mitgliedschaft funktional eingeschränkt
  • die mittelpreisigen, spezifischen Pakete abgeschafft
  • das verbleibende kostenpflichtige Mitgliedschaft zum Teil mit neuen, zum Teil aber auch mit eigentlich schon bestehenden, jetzt aber exklusiven Features aufgewertet

Nachdem also die kleineren, günstigeren Pakete wegfallen, wird ein großer Teil der User, die nur eines hiervon hatten, vermutlich in die neue Mitgliedschaft wechseln, weil man auf das eine odere andere Feature aus seinem alten Paket nicht verzichten will, auch wenn man andere Features, die es zusätzlich gibt, nicht benötigen mag – man aber in der kostenlosen Version der Mitgliedschaft seine Anforderungen nicht wiederfindet.

Dann rechnet sich auch der Case für Strava. Der eine odere andere User zahlt hat rund 250% von dem, was er bisher gezahlt hat, ohne für sich einen echten Mehrwert zu haben. Spannend wäre zu wissen, was der Case hinter den kostenlosen Mitgliedschaften für Strava ist – irgendwie werden sie auch diese monetarisieren, und sei es über die Nutzung der Daten. Denn, wenn es nichts kostet, bis du das Produkt. Ich gebe aber zu, dass ich die Datenschutzrichtlinien von Strava nie gelesen habe… (ist aber meine Faulheit).

Strava listet auf einer eigenen Seite auf, was sich ändert. Simon Richardson von GCN hat dazu auch ein Interview mit Michael Horvath geführt, einem der Gründer von Strava (ab Minute 4.05):

Jetzt gibt es ja verschiedene Anbieter von Apps mit der selben oder sich überschneidenden Zielgruppen, ich zB nutze (in fett die bzw. das, für die/das ich zahle):

  • Strava: 59,99 EUR pro Jahr
  • Zwift: 15 EUR pro Monat, also 180 EUR pro Jahr
  • Komoot: zwischen 20 und 30 EUR einmalig für „alle Regionen“, optional noch 59,99 EUR pro Jahr für „komoot Premium“
  • Relive: 83,88 EUR pro Jahr
  • Outdooractive: 29,99 pro Jahr
  • Bikemap: je nach Zahlweise zwischen 58,80 EUR pro Jahr und 99 EUR einmalig (Lifetime)

Das sind 240 EUR laufend pro Jahr für ein besseres Sporterlebnis. Ist kein Vermögen, aber auch nicht nichts…

Strava April Gran Fondo in Zeiten von Corona

Ein Gran Fondo auf Strava ist eine „Herausforderung“ (https://www.strava.com/challenges) bzw. in dem Fall zusammenhängende Radeinheit von mindestens 100km innerhalb von 24 Stunden. Das ganze gibt es regelmäßig, also für jeden Monat neu als Herausforderung auf Strava. Klar Gamification erhöht die Nutzerbindung, und wie man an mir sieht, funktioniert das ja auch…

Nachdem ich dieses Jahr außer mit meinem Brompton zum Bahnhof hin und zurück noch gar nicht draußen mit dem Rad unterwegs war, habe ich mir gedacht, dass es doch eine gute Idee sei, im April einfach mal einen flotten 100er zu fahren. „Flott“ ist relativ, aber das lassen wir mal dahingestellt. Zumindest stolperte ich auf Strava über die entsprechende Challange https://www.strava.com/challenges/gran-fondo-April-2020 und habe „Jetzt beitreten“ geklickt 😉

Nun ist es so, dass wir im Frühjahr 2020 in den Zeiten der Covid-19- oder Corono-Krise leben. Dramatische und tragische Schlagzeilen, einen große Wirtschaftskrise, massive Unsicherheit in allen Bereichen, geschlossene Geschäfte, Ausgangsbeschränkungen oder Kontaktsperren bestimmen unseren Alltag.

Ist es (moralisch) vertretbar, in solchen Zeiten Sport zu treiben? Ich glaube erstmal ist es notwendig, zumindest für mich. Bei aller Akzeptanz und dem Befolgen notwendiger Einschränkungen halte ich Sport als Ausgleich für die körperliche und auch geistige Gesundheit für extrem wichtig. Wir hocken seit nunmehr dreieinhalb Wochen zuhause und halten uns an die Vorgaben, zumindest soweit wir das können. Keine unnötigen Aufenthalte draussen, einkaufen nur alleine und nicht zu zweit, nahezu totale Reduktion der persönlichen Sozialkontakte… Das ist nicht gesund, körperlich nicht und schon gar nicht für das Gemüt. Daher steht bei uns Sport (drinnen wie draußen) als kleiner Ausgleich auf dem festen Tagesplan. Draußen aber nur so, dass wir auch dabei „Social-Distancing“-konform unterwegs sind: Spaziergänge oder Wanderungen da, wo es keine touristischen Hotspots gibt und man ergo wenig anderen Menschen über den Weg läuft. Zur Not kann man sich in Wald und Feld ja auch gut aus dem Wege gehen.

Und bei mir ist es so, dass ich nach einer halben Stunde Wandern oder auf dem Rad nicht mehr an all die Scheiße denke, mit dem einen die Nachrichten momentan pausenlos zuballern, sondern ans Wandern oder Radfahren oder auch mal an genau gar nichts.

Wie sieht es also mit Rennradfahren aus? Genauso. Definitiv ein gesunder Sport, überschaubares Risiko und da ich eh fast immer alleine unterwegs bin, funktioniert auch das Social Distancing.

Nochmal zurückkommend auf den moralischen Aspekt sehe ich das für mich so, dass es unabhängig von einer Corona-Krise jederzeit so viele Krisen auf der Welt gibt, so viel tragisches und trauriges täglich passiert, dass man entweder nie oder immer etwas für sich tun darf, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Es ist zu vermeiden, etwas zu tun, mit dem man das Gesundheitssystem unnötig belasten würde, aber Individualsport ohne besondere Risiken finde ich völlig ok. Und ich ann ja das eine tun, ohne das andere zu lassen, sprich mich verantwortlich und empathisch zu verhalten.

Also, der April Gran Fondo. 100 km am Stück auf dem Rad. Dieses Jahr noch keine sportliche Radtour draussen gemacht, aber direkt mal 100 km – beste Voraussetzungen 😉

Da passte es ganz gut, dass wir gestern in die Eifel mussten und ich dann einfach mit Rad zurück konnte. Mit einer kleinen Extra-Schleife kommt man dabei auch auf über 100km und das bei einer äußerst hilfreichen negativen Höhenmeterbilanz (sprich, es geht mehr bergab als bergauf) – trotzdem waren es noch gute 760Hm bergauf… 😉

Lange Rede, gar kein Sinn, hier die Tour von gestern:

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: Grobe Packliste und Nachbetrachtung (gear-talk)

Meine Ausrüstung, in Summe 22,5kg inkl. 1 Liter Wasser:

  • Rucksack: Fjällräven Kaijka 75 – groß, hohes Eigengewicht, aber wahnsinnig bequem zu tragen, sehr durchdacht.
  • Zelt: Hilleberg Akto – muss man nix zu sagen, das Zelt ist bekanntermaßen top!
  • Schlafsack: Mammut MTI-3 – ein Synthetik-Schlafsack. Nicht sehr leicht, nicht sehr klein komprimierbar. Aber gutes Preis-Leistungsverhältnis und für mich bis knapp unter Null Grad ausreichend warm.
  • Isomatte: Thermarest Prolite Plus – guter Durchschnitt, was Gewicht und Packmaß angeht.
  • Unterwäsche: eine Garnitur lange Merinounterwäsche, 3 Unterhosen, 3 Paar Socken von Smartwool (ich liebe diese Socken! Bequem, angenehm zu tragen, müffeln nicht).
  • 3 Merinoshirts
  • Hosen: Fjällräven (Barents?) und Mammut (irgendwas mit Stretch und an den Knien verstärkt) – die Barents ist für mich eher Jagd- als Wanderhose. Mittlerweile durch eine Keb-Trouser ersetzt, die der Mammut ähnelt, aber robuster ist.
  • Regenhose: Berghaus Paclite – teuer, sitzt aber gut und hält trocken.
  • ein dünner Fleecepulli von Tchibo
  • Buff, Mütze, Klettersteighandschuhe
  • Jacke: Marmot, irgendeine alte „Steppjacke“, Weste: Northface (die scheint es nicht mehr zu geben: vorne gesteppt, hinten nur zweilagiger Stoff) – gerade die Weste liebe ich. Warme Brust und bauch, auch wenn es kalt und windig ist, am Rücken aber so dünn, dass man nicht mehr als unnötig schwitzt.
  • Softshell: Fjällräven Keb Jacket – durchdacht, super verarbeitet, nicht billig (https://www.youtube.com/watch?v=0lZZDAMFBE4)
  • Hardshell: Fjällräven Keb Eco-Shell – ebenso durchdacht, super verarbeitet, nicht billig https://www.youtube.com/watch?v=RwXHL0yrm9o
  • Schuhe: Meindl Vakuum GTX und als Watschuhe Crocs Swiftwater
  • Kocher: Primus Express Spider
  • Topf: Toaks Titan, 700ml
  • Treckingnahrung: ein Kessel Buntes mit 10 Packungen (davon 2 Sorten Dessert), Haferflocken, Instantkaffee, Pfefferminztee
  • Canon EOS 2000D (die so ziemlich billigste DSRL, die man aktuell bekommen kann) mit dem 18-135 STM, das ich schon hatte, Huawei P20pro, die beiden hatte ich tagsüber in einer großen Fjällräven Ulvo Bauchtasche
  • Kleinkram (erste Hlfe, Schweizer Taschenmesser, Wasserflasche, GPS, Powerbank…)

Ein paar der Lebensmittel sind übrig geblieben. Auf die Softshell hätte ich ggf. verzichten können, ebenso auf ein Merinoshirt, ein paar Socken, die Fjällrävenhose, die Crocs und den Wasserfilter. Den Rest habe ich tatsächlich benutzt. Die meiste Zeit war es sonnig mit Tagestemperaturen anfangs von knapp 15 Grad, zwischendurch an manchen Tagen von nur ca. 5 Grad. Teilweise war es extrem windig, nachts lagen die Temperaturen teilweise knapp unter dem Gefrierpunkt.

Zwei Nächte habe ich in langer Unterwäsche geschlafen, sonst nur in Unterhose und einem Merinoshirt (das ich nur dafür genutzt hatte). Das war in dem Schlafsack dann in Kombination ok. Ich friere aber auch nicht so sonderlich schnell.

Die Ausrüstung hat sich komplett bewährt – das ist aber nicht verwunderlich. Da war eh kein billiges Zeug dabei und Wetter war nicht schlecht, meistens sogar richtig gut. Nach drei oder vier Stunden bei Regen in der Hardshell und mit Regenhose ist man zwar untendrunter feucht, aber das ist eher Schweiß als Regen… Blasen hatte ich keine, am Rücken bzw. den Schultern hatte ich auch am Ende keine Probleme mehr (anders als die ersten zwei Tage).

Tatsächlich waren mir die Etappen fast zu kurz, weil am Ende der Etappe noch so viel Tag übrig war und ich es als ungemütlich empfunden hätte, vor dem Zelt zu oder den ganzen nachmittag im Schlafsack zu liegen sitzen. Daher fand ich es praktisch, die Etappen auch von Hütte zu Hütte zu legen und dort dann ein wenig die Infrastruktur nutzen zu können – sprich nachmittags in der warmen Küche sitzen zu können. Trotzdem möchte ich gerne bei meiner nächsten Tour etwas mehr remote unterwegs sein. Für meine erste Tour dieser Art seit Jahren (mehrere Tage, erhebliches Gepäck, übernachten im Zelt) war das so aber ok, weil es einen Plan B gab. Das nächste Mal weiß ich, dass ich darauf auch verzichten kann, weil es reine Bequemlichkeit war, die mich in die Hütten getrieben hat… Jetzt muss ich für nächstes Jahr mal gucken, was ich machen könnte und wozu mir die Heimleitung das OK gibt 😉

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: letzter Wandertag und Rückreise

Samstag , 7.9.19: Nikkaluokta – Ladtjojaure – Nikkaluokta, 11,4km
Mein Bus fährt erst nachmittags, also lade ich den Rucksack an der Rezeption ab und laufe nur mit der Kamera in der Bauchtasche nochmal zum Ladtjojaure, esse eine Burger, trinke ein Bier und laufe retour. Die Wartezeit bis zur Abfahrt vertreibe ich mit einer Pfeife oder zwei.
In Kiruna laufe ich zum Hotel, checke ein und gehe nochmal kurz in den Coop ein bisschen Käse und Elchsalami einkaufen. Ich esse im Hotel, gucke noch ein bisschen TV, telefoniere mit der Heimleitung, lasse die letzte Woche Revue passieren und freue mich auf zuhause.

https://www.komoot.de/tour/92182402

https://www.strava.com/activities/2687181615

Sonntag , 8.9.19: Flug von Kiruna nach Stockholm mit SAS SK1049, 5 Stunden Aufenthalt in Stockholm, dann Flug von Stockholm nach Düsseldorf mit SAS SK2625.
In Stockholm treffe ich noch einen Bekannten, der eine Stunde zum Umstieg hat. Er kommt aus Norwegen und fliegt weiter nach Frankfurt (oder Stuttgart?). Die Wartezeit verbringe ich mit Essen, durch die Ladenzeile bummeln und lesen.

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: Kebnekaise – Nikkaluokta

Freitag, 6.9.19, Etappe 7: Kebnekaise – Nikkaluokta, 19,1km
Die letzte Etappe. Ein kleiner Blues überfällt mich, als ich morgens loslaufe. Es hat die ganze Nacht geregnet und erst morgens gegen 7 oder 8 aufgehört. Es ist relativ kalt und hat bis auf vielleicht 200 Meter über der Hütte runtergeschneit. Es ist sehr wolkig und eine zum Teil echt mystische Stimmung.

Der Weg läuft sich heute fast von alleine, ist aber auch recht gut zu laufen, also lange nicht so verblockt und geröllig wie zwischendurch teilweise. Am Ende des Ladtjojaure-Sees liegt das Enoks (http://www.enoks.se/en/), ein samisches (nicht „läppisches“) Restaurant, bei dem ich 5km vorm Ziel mir einen Rentierburger, eine Cola und eine Kaffee gönne. Lecker! Die letzten km sind flott gegangen, sind auch eh nur noch derer 5. Der Weg durch den Birkenwald ist einfach und tatsächlich sehe ich nochmal Rentiere, diesmal sogar auch mal von nahem, wenn auch im Wald und oft verdeckt. Aber hey, das ist cool!

In Nikkaluotkta angekommen gibt es natürlich ein Foto unterm „Tor“, ich beziehe eine Ferienwohnung für mich alleine, genieße die Dusche, sortiere mein Zeug (ist einfach, sauber ist eh quasi nix mehr), kaufe ein paar Mitbringesel im Shop ein (schöne, aber nicht günstige Sachen eher aus der Rubrik „Kunsthandwerk“) und esse abends den vorletzten Beutel Treckingnahrung.

https://www.komoot.de/tour/92060670

https://www.strava.com/activities/2685177733

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: Singi – Kebnekaise

Donnerstag, 5.9.19, Etappe 6: Singi – Kebnekaise, 15,6km
Die Wettervorhersage für heute war deutlich: ab Mittag fängt es an zu regnen und wird auch nicht mehr aufhören. Also bin ich arg früh aus dem Schlafsack raus (so kurz nach 6), habe gefrühstückt und dann das Zelt eingepackt. Depp, der ich bin, habe ich vergessen das Innenzelt auszuhängen vorm Abbau. Da es nachts geregnet hat, und das Außenzelt noch nass war, war dann auch das Innenzelt natürlich nass. In dem Moment, wo ich die Querstange rausgezogen habe und es platt vor mir lag fiel mir der Fehler auch auf. Mist, verdammter. Das passiert, wenn man es zu „eilig“ hat.


Nach rund 2km hat man dann auch den letzten längeren Anstieg hinter sich gebracht. Singi liegt auf rund 750 Metern, die letzte Passhöhe (wie heißt die eigentlich?) auf rund 900 Metern. Der Anstieg ist aber recht gemach und tut nicht weh. Auf dem Weg nach oben kommt man noch an ein paar kleineren Seen vorbei, wo auch noch das eine oder andere Zelt stand. Die Passhöhe ist nicht einfach nur eine Scharte, sondern oben läuft man erstmal ein paar km auf gefühlt gleich Höhe, obwohl es in Wirklichkeit konstant ein wenig bergab geht. Irgendwann fing es dann oben an zu regnen. Erst nur nieselig, später ging es dann in einen gleichmäßigen pladderigen Landregen über.

Irgendwann kam die ein Funkmast in Sicht und ich habe auch wieder Netzempfang. Die letzten tage ohne Netz habe ich genossen und es hat mir auch nicht gefehlt. Trotzdem mal eben schnell den Flugmodus rausgenommen und zuhause per Whattsapp Bescheid gesagt, dass es mir gut geht. Ich hatte Steffi ja vorher gesagt, dass ich mich vermutlich schon noch drei Tagen melden würde – weil ich irgendwie auf den Trichter gekommen war, dass man am Tjäktjapass Empfang haben würde.
Zur eigentlichen Kebnekaisehütte waren es dann noch ein paar km auf denen ich mir zwischendurhc ein wenig vernatzt vorkam, weil irgendwann ein zweiter Funkmast in Sicht kam und mir klar war, dass dort die Hütte sein müsste. Ständig denkst du, dass hinter der nächsten Kurve doch der mast stehen müsste und dann ist es doch nicht so. Rauf und runter, der Regen pladdert lustig vor sich hin und die doofe Hütte kommt nicht näher. Da endlich, der Mast steht vor mir. Aber wo ist die Hütte? Hä?

Blick nach links, da steht sie. Nochmal 100 Meter weiter. Auf den letzten paar hundert Metern vor der Hütte führt mein Weg mich schon durch ein kleines Wäldchen. Irgendwo steht ein Schild, dass man hier schon fürs Zelten zahlen muss und ein paar Zelte stehen auch schon hier. Die Vorstellung aber, mein nasses Zelt hier aufzubauen und bei dem Wetter hier noch einen halben Tag rumzugmallen ist aber eher unattraktiv. Also check ich in der Hütte ein und zahlen 850 SEK für ein Bett in 4-Bett-Dorm. 850 SEK! Die spinnend doch, die Römer. Also in dem Fall die Schweden.

Kebnekaise ist aber keine Hütte, sondern eher eine Lodge mit Kaminzimmer, Shop, Restaurant und und und… Mein Zelt kommt in den Trockenraum, ich verputzte vom leckeren Mittagsbuffet von allem das doppelte und süppele über den Nachmittag das eine oder Bier, rauche mal ein Pfeifchen, lese und quatsche mit dem älteren Schweden, den ich immer mal wieder getroffen habe. Auch die beiden älteren Ehepaare aus England bzw. den USA treffe ich wieder und die beiden Typen aus dem bergischen Land und auch das nervige Mädel, was keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung hat und die auch jeden Nachmittag oder Abend ungefragt zum Besten gegeben hat. Naja, der Kungsleden ist „klein“ und die Etappen sind mehr oder weniger vorgegeben. Also trifft man abends immer mal wieder dieselben Leute. Ist schön, man kann Erlebnisse teilen und quatschen, tagsüber ist man aber auch stundenlang alleine wenn man mag.

https://www.komoot.de/tour/91819698

https://www.strava.com/activities/2681883754