L’Eroica – die Heldenhafte

La bellezza della fatica e il gusto dell’impresa – Der Zauber der Erschöpfung und die Lust am Wagnis.

In die Toskana fahre ich nun mehr oder weniger regelmäßig seit über 20 Jahren, im Schnitt einmal pro Jahr bestimmt. Nicht immer, doch aber immer mal wieder ist auch das Rennrad mit dabei. Aber eigentlich immer das moderne aus Carbon mit irgendwas zwischen 20 und 30 Gängen (mein leider geklautes Stevens SCF 2 hatte 3×10, das neue „nur“ 2×11).

Die Straßen und die Landschaft der Toskana, insbesondere im Chianti-Gebiete, sind zum Fahren einfach traumhaft und was gibt es schöneres, als auf der Tour unterwegs einen Espresso zu schlürfen und sich nach der Tour abends mit italienischem Essen und Rotwein zu belohnen? Nix.

Immer mal wieder sind wir dann an diesen „L’Eroica-Schildern“ vorbegekommen. Als ich solche Schilder das erste Mal gesehen habe, war die Eroica vermutlich auch noch keine 10 Jahre alt. Nachdem zwischendurch mal die Regeln angepasst wurden, ist sie in ihrer Urfassung das größte (?), aber auf jeden Fall das bekannteste Klassikerrennen für Radsportler, wobei sie eigentlich kein Rennen ist, sondern eher Brevet-Charakter hat: es geht nicht um die schnellste Zeit, es gibt aber „Zeitlimite“.

Ansonsten sind die Regeln recht simpel: Das Rad muss Baujahr 1987 oder älter sein, die Bremzüge müssen als Wäscheleinen frei sein (also nicht am Lenker verlegt), das Rad hat eine Unterrohrschaltung zu haben und man fährt mit Riemenpedalen und Klamotten aus der Zeit.

Ausgetragen das erste Mal 1997 mit nur etwas über 90 Teilnehmern hat sie sich über die Jahre zu einer wirklich großen Veranstaltung mit etlichen Ablegern weltweit und für die Toskana zu einer wahren Attraktion entwickelt. Nicht, dass es die Toskana notwendig hätte, sich neben einer endlosen Liste von Kulturgütern, einer wunderschönen Landschaft und gutem Essen und Trinken noch mit weiteren Attraktionen zu brüsten, aber man kommt an keinen Souvenirshop mehr vorbei, ohne das einen das Eroica-Logo anspringt.

Auf dem Weg in die Toskana haben wir auch ab Mailand die ersten anderen Autos mit klassischen Stahlrennrädern auf dem Fahrradträger gesehen, ab spätestens Bologna war sie dann wirklich nicht mehr zu übersehen, die Karawane mit zweirädrigem Altmetall auf dem Weg in den Süden 😉

Irgendwann letztes Jahr habe ich dann den „Schmidt Max“ auf Youtube in der Toskana gesehen. „Schmidt Max“ ist eh lustig und als mir dieser Film vom freundlichen Youtube-Algorithmus zwischen GCN und irgendwelchen bikepacking-Videos vorgeschlagen wurde, bin ich direkt hängen geblieben…

Kumpel Oli war auch schnell überzeugt und so sind wir dann heuer mitgefahren. Ein passendes Rad hatten wir beide nicht, sind aber auf ebay-kleinanzeigen fündig geworden. Meines ist ein GESTA aus der Mitte der 80er Jahre. Gerd Stammel (der Name hinter GESTA) ist ein Kölner Rahmenbauer, die Werkstatt ist im selben Stadtviertel, in dem ich auch wohne. Das ist halt schon cool, ein Rad zu haben, was nicht jeder hat und dann auch noch mit einem starken lokalen Bezug. Am Rad sind im wesentlichen Shimano 600-Komponenten verbaut. Als ich es gekauft hatte, war es zwar in einem guten Zustand, aber mit einem modernen Sattel, einem Mustache-Lenker und 105er-Teilen verbastelt. Dankenswerterweise war aber eine Kiste alter Komponenten dabei, aus der ich mich bedienen konnte.

Pedale, Lenker und einen (kürzeren) Vorbau hat die Werkstatt der Schicken Mütze beigesteuert. An dieser Stelle nochmal mein Dank für die Durchsicht, Reifenmontage etc. Das Rad fuhr auf der Eroica wie ein Traum!

Die Eroica in Gaoile kann man auf Runden zwischen 46 und 209km erleben, die ganz im Sinne alter Zeiten zu einem guten Teil Schotterstraßen enthalten. Tatsächlich fließt sogar ein Teil der Startgebühren in den Unterhalt dieser strade bianche ein, die für die Toskana nahezu die selbe Bedeutung haben, wie das pavé, also das Kopfsteinpflaster für Flandern und Nordfrankfreich – zumindest wenn man den Radsportler fragt. Nicht umsonst gibt es seit 2007 ein nach diesen Straßen benanntes Rennen (nämlich das Strade Bianche) in der Toskana, welches anfangs sogar Monte Paschi Eroica hießund wie man dem alten Namen entnehmen kann, auch mindestens der Idee her nach der Eroica entsprungen ist.

Wir hatten uns für die 106km-Runde entschieden: Alles ab 100km ist ernsthaftes Radfahren, aber wir wollten ja auch Zeit zum Gucken und Genießen haben. Meine reine Fahrzeit war mit 6 1/4 Stunde wegen zwischenzeitlichen Schiebens (bergab!) und Fotos machen schon relativ langsam, insgesamt war ich fast 10 Stunden unterwegs. Man trödelt doch eine ganze Weile rum an den Verpflegungstellen, beim Gucken, Futtern und Schwatzen. Also eigentlich ziemlich perfekt.

Oli als alter Flachlandbewohner hatte mit den Höhenmetern und der aus seiner Sicht etwas zu großen Übersetzung an seinem Rad etwas mehr zu kämpfen, kam dann aber auch eine knappe Stunde nach mir an.

Würden wir es wieder tun? Auf jeden Fall! Mit viel Liebe organisiert, tollste Gegend überhaupt zum Radeln und noch ein Grund mehr, nächstes Jahr wieder in die Toskana zu fahren!

Der Nordseeküstenradweg in Dänemark

Relativ ungeplant kam Anfang oder Mitte August die Idee auf, die Nordseeküste in Dänemark unter die Räder zu nehmen. Der eigentlich geplante Urlaub in Schweden mit dem Wohnmobil hatte sich irgendwie zerschlagen, es blieb aber eine gute Woche freie Zeit übrig. Und vermutlich wieder inspiriert durch Youtube oder irgendeinen Reisebricht im Web kam bei bei die Idee auf, dass es dich ganz cool sei, radelnd durch unser nördliches Nachbarland zu reisen. Corona findet dort aktuell (dank wirklich hoher Impfquoten) nicht mehr statt; Oli und ich sind beide geimpft, sprich Einreise ist auch kein Thema.

Zudem sprach die einfach Anreise für Dänemark – es ist hinreichend „exotisch“, so dass es sich wie Urlaub anfühlt, man kann aber trotzdem mit Zug gut und flott anreisen. Also hätte man, wenn die GDL nicht am Anreisewochenende gestreikt hätte…

Ergo mussten wir dann doch mit den Auto fahren und die Route etwas umplanen. Eifentlich wollten wir mit dem Zug von Oldenburg nach Sylt und dann via Fähre nach Rømø und von dort dann aus auf dem Festland fahren und dann auf dem Rückweg von Aalborg aus über Hamburg zurück nach Oldenburg. So sind wir dann mit dem Auto nach Klanxbüll, wo man es für einen schmlen Taler (soll heißen, 5 EUR am Tag) bewacht stehen lassen kann. Auf dem Rückweg sind wir dafür dann mit dem Zug von Aalborg aus nach Tønder, was quasi das letzte Kaff vor der Grenze ist, zu dem man am Automaten in Dänemark eine Fahrkarte kaufen konnte. Zum Auto waren es dann nochmal ein paar km mit dem Rad.

Eine gute Beschreibung des eigentlichen Nordseeküstenradwegs fndet sich hier. Viele fahren den Weg von Skagen aus Richtung Süden, aber für mich war Skagen von Anfang an das natürliche Ziel, weil es mit dem Ort, an dem sich Nord- und Ostsee treffen ein besonderer Ort ist, zu dem man hinreist, nicht von dem man wegfährt. Und ich weiß auch, dass es streng genommen nicht Nord- und Ostsee sind, sondern Kattegat und Skagerrak. Jaja… Auch egal.

In einer Woche kamen entspannt rund 660km zusammen, mit Tagesetappen zwischen knapp 60km und 120km. Ist ja flach, wir hatten auch noch bestes Wetter, da kann das auch mal mit (leichtem) Gepäck machen.

Wir haben uns nicht ganz sklavisch an die offizielle Ausschilderung gehalten, sondern hin und wieder zum Strecke machen“ bzw. in Hinblick auf das abendliche Ziel angepasst. Geschlafen haben wir ein paar Nächte in Sheltern, ein paar Nächste in Hütten auf Campingplätzen – das war auch ein gute Kombination aus ein bisschen „Abenteuer“ und ein bisschen (wirklich nur ein bisschen!) Komnfort.

Stichwort Shelter: In Dänemark gibt es nicht das selbe Jedermannsrecht wie in anderen skandinavischen Ländern, aber es gibt Lagerplätze, die oft über sehr einfache Schutzhütten verfügen, teilweise aber mit Wasserstelle, Feuerstelle und Plumpsklo. Diese sind meist kostenlos zu benutzen und echt eine sehr coole Idee. Mittels einer App, in der sie alle aufgelsitet sind (inklusive aller Angaben dazu) ist dann auch die spontane Reiseplanung vor Ort wirklich leicht. Kurz mal gucken, wie weit man an dem Tag fahren will, in der App schnell mal geguckt, wo am angedachten Ziel Shelter sind, die Route auf komoot geplant und dann mit dem Garmin synchronisiert. Ähm… Wie hat man das eigentlch damals gemacht, so vor Handy und Internet überall?

Naja, hier mal die Impressionen einer wirklich tollen Woche in Dänemark.

Stilfser Joch

Anfang Juli waren wir im sehr schönen und ruhigem Münstertal in der Schweiz. Eine Woche, in der wir eigentlich wandern wollten, und es auch überwiegend getan haben. Im Münstertal endet (oder beginnt, je nach Sichtweise) der Umbrailpass, der ja eigentlich auch nur ein Abzweig zum Stilfser Joch ist. Da lag es auf der Hand, dass Rennrad mitzunehmen und vom Münstertal ins Vinschgau zu fahren und über Prad, das Stilfser Joch und den Umbrailpass wieder zurück zum Campingplatz.

Das Stilfser Joch bzw. Stelvio bin ich 2007 und 2009 schonmal bei der Tour Transalp gefahren, seinerzeit war ich rauf größtenteils langsamer als heute, runter aber deutlich schneller – runterfahren muss man auch üben…

Herausgekommen ist dann die folgende Tour. Eigentlich recht lässig, hatte ja auch nur einen einzigen Anstieg, und ab der Passhöhe vom Stelvio zurück zum Campingplatz konnte ich es quasi rollen lassen 😉

Das Schweizer Taschenmesser

…ist ja so das Synonym für ein All-in-one-Ding an sich. Die Allzweckwaffe halt. Kann alles, aber nix so gut, wie das jeweils richtige Werkzeug. Etwas, über das der Engländer (oder Ami in diesem Fall) sagen würde, it does the job.

Mein zweirädriges Schweizer Taschenmesser ist vor ein paar Tagen hier eingezogen. Schon seit dem letzten Herbst und der fixen Idee, mich künftig altersgerecht auf „lang“ statt „schnell“ zu konzentrieren, hatte ich ja über ein anderes Fahrrad genau für diesen Zweck nachgedacht und hatte dabei eine kleine Checkliste als Pflichtenheft aufgestellt. Die Idee dahinter war, dass es ein Rad werden soll, mit dem man eher komfortorientiert, sorgenfrei lange Strecken fahren kann. And here it is…

Es ist ein Gravelrad, obwohl ich gar nicht graveln will. Kein Rennrad, um damit wirklich Rennen zu fahren (was ich eh nicht tue), aber schnell ist es trotzdem; kein klassiches Reiserad, aber reisen kann man damit auch. Ein Schweizer Taschenmesser halt. Ein Rad, mit dem ich Brevets fahren oder bikepacken und dabei auch mal abseits asphaltierter Straßen unterwegs sein kann. Solide Technik, außen verlegte Züge, komfortabler Stahlrahmen und Carbongabel für den Comfort. Langer Radstand und damit eher laufruhig als agil.

Heute, bei laut Wetter-App gefühlten minus 8 Grad, war ich das erste Mal damit kurz unterwegs, weil es mich halt tierisch gejuckt hat, das Rad draussen zu bewegen. Wirklich nur kurz, weil echt zu kalt. Anyway. ich glaube meine anderen Räder werden in der nächsten Zeit sehr, sehr einsam werden 😉

Riesendank an die Jungs der Schicken Mütze, die mir das Rad nach toller Beratung so perfekt zusammengestellt und -gebaut haben!

Von der Nordsee zum Dom

Wir waren am Wochenende bei Freunden in Holland, und irgendwie hatte ich die fixe Idee, von da aus mit Rad nach Hause zu fahren. Knapp 11 Stunden auf dem Rad und gut 270km…

Es ging ganz gut, irgendwann fing das linke Knie an zu zicken, aber mit bewusst angepasster Beinehaltung ließ sich das in den Griff bekommen. Die Arme sind dann irgendwann lahm geworden, deswegen kommt jetzt für so lange Touren ein Clip-On-Aerobar an den Lenker.

https://www.relive.cc/view/v36ArB5x3Zq

Strava April Gran Fondo in Zeiten von Corona

Ein Gran Fondo auf Strava ist eine „Herausforderung“ (https://www.strava.com/challenges) bzw. in dem Fall zusammenhängende Radeinheit von mindestens 100km innerhalb von 24 Stunden. Das ganze gibt es regelmäßig, also für jeden Monat neu als Herausforderung auf Strava. Klar Gamification erhöht die Nutzerbindung, und wie man an mir sieht, funktioniert das ja auch…

Nachdem ich dieses Jahr außer mit meinem Brompton zum Bahnhof hin und zurück noch gar nicht draußen mit dem Rad unterwegs war, habe ich mir gedacht, dass es doch eine gute Idee sei, im April einfach mal einen flotten 100er zu fahren. „Flott“ ist relativ, aber das lassen wir mal dahingestellt. Zumindest stolperte ich auf Strava über die entsprechende Challange https://www.strava.com/challenges/gran-fondo-April-2020 und habe „Jetzt beitreten“ geklickt 😉

Nun ist es so, dass wir im Frühjahr 2020 in den Zeiten der Covid-19- oder Corono-Krise leben. Dramatische und tragische Schlagzeilen, einen große Wirtschaftskrise, massive Unsicherheit in allen Bereichen, geschlossene Geschäfte, Ausgangsbeschränkungen oder Kontaktsperren bestimmen unseren Alltag.

Ist es (moralisch) vertretbar, in solchen Zeiten Sport zu treiben? Ich glaube erstmal ist es notwendig, zumindest für mich. Bei aller Akzeptanz und dem Befolgen notwendiger Einschränkungen halte ich Sport als Ausgleich für die körperliche und auch geistige Gesundheit für extrem wichtig. Wir hocken seit nunmehr dreieinhalb Wochen zuhause und halten uns an die Vorgaben, zumindest soweit wir das können. Keine unnötigen Aufenthalte draussen, einkaufen nur alleine und nicht zu zweit, nahezu totale Reduktion der persönlichen Sozialkontakte… Das ist nicht gesund, körperlich nicht und schon gar nicht für das Gemüt. Daher steht bei uns Sport (drinnen wie draußen) als kleiner Ausgleich auf dem festen Tagesplan. Draußen aber nur so, dass wir auch dabei „Social-Distancing“-konform unterwegs sind: Spaziergänge oder Wanderungen da, wo es keine touristischen Hotspots gibt und man ergo wenig anderen Menschen über den Weg läuft. Zur Not kann man sich in Wald und Feld ja auch gut aus dem Wege gehen.

Und bei mir ist es so, dass ich nach einer halben Stunde Wandern oder auf dem Rad nicht mehr an all die Scheiße denke, mit dem einen die Nachrichten momentan pausenlos zuballern, sondern ans Wandern oder Radfahren oder auch mal an genau gar nichts.

Wie sieht es also mit Rennradfahren aus? Genauso. Definitiv ein gesunder Sport, überschaubares Risiko und da ich eh fast immer alleine unterwegs bin, funktioniert auch das Social Distancing.

Nochmal zurückkommend auf den moralischen Aspekt sehe ich das für mich so, dass es unabhängig von einer Corona-Krise jederzeit so viele Krisen auf der Welt gibt, so viel tragisches und trauriges täglich passiert, dass man entweder nie oder immer etwas für sich tun darf, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Es ist zu vermeiden, etwas zu tun, mit dem man das Gesundheitssystem unnötig belasten würde, aber Individualsport ohne besondere Risiken finde ich völlig ok. Und ich ann ja das eine tun, ohne das andere zu lassen, sprich mich verantwortlich und empathisch zu verhalten.

Also, der April Gran Fondo. 100 km am Stück auf dem Rad. Dieses Jahr noch keine sportliche Radtour draussen gemacht, aber direkt mal 100 km – beste Voraussetzungen 😉

Da passte es ganz gut, dass wir gestern in die Eifel mussten und ich dann einfach mit Rad zurück konnte. Mit einer kleinen Extra-Schleife kommt man dabei auch auf über 100km und das bei einer äußerst hilfreichen negativen Höhenmeterbilanz (sprich, es geht mehr bergab als bergauf) – trotzdem waren es noch gute 760Hm bergauf… 😉

Lange Rede, gar kein Sinn, hier die Tour von gestern:

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: Grobe Packliste und Nachbetrachtung (gear-talk)

Meine Ausrüstung, in Summe 22,5kg inkl. 1 Liter Wasser:

  • Rucksack: Fjällräven Kaijka 75 – groß, hohes Eigengewicht, aber wahnsinnig bequem zu tragen, sehr durchdacht.
  • Zelt: Hilleberg Akto – muss man nix zu sagen, das Zelt ist bekanntermaßen top!
  • Schlafsack: Mammut MTI-3 – ein Synthetik-Schlafsack. Nicht sehr leicht, nicht sehr klein komprimierbar. Aber gutes Preis-Leistungsverhältnis und für mich bis knapp unter Null Grad ausreichend warm.
  • Isomatte: Thermarest Prolite Plus – guter Durchschnitt, was Gewicht und Packmaß angeht.
  • Unterwäsche: eine Garnitur lange Merinounterwäsche, 3 Unterhosen, 3 Paar Socken von Smartwool (ich liebe diese Socken! Bequem, angenehm zu tragen, müffeln nicht).
  • 3 Merinoshirts
  • Hosen: Fjällräven (Barents?) und Mammut (irgendwas mit Stretch und an den Knien verstärkt) – die Barents ist für mich eher Jagd- als Wanderhose. Mittlerweile durch eine Keb-Trouser ersetzt, die der Mammut ähnelt, aber robuster ist.
  • Regenhose: Berghaus Paclite – teuer, sitzt aber gut und hält trocken.
  • ein dünner Fleecepulli von Tchibo
  • Buff, Mütze, Klettersteighandschuhe
  • Jacke: Marmot, irgendeine alte „Steppjacke“, Weste: Northface (die scheint es nicht mehr zu geben: vorne gesteppt, hinten nur zweilagiger Stoff) – gerade die Weste liebe ich. Warme Brust und bauch, auch wenn es kalt und windig ist, am Rücken aber so dünn, dass man nicht mehr als unnötig schwitzt.
  • Softshell: Fjällräven Keb Jacket – durchdacht, super verarbeitet, nicht billig (https://www.youtube.com/watch?v=0lZZDAMFBE4)
  • Hardshell: Fjällräven Keb Eco-Shell – ebenso durchdacht, super verarbeitet, nicht billig https://www.youtube.com/watch?v=RwXHL0yrm9o
  • Schuhe: Meindl Vakuum GTX und als Watschuhe Crocs Swiftwater
  • Kocher: Primus Express Spider
  • Topf: Toaks Titan, 700ml
  • Treckingnahrung: ein Kessel Buntes mit 10 Packungen (davon 2 Sorten Dessert), Haferflocken, Instantkaffee, Pfefferminztee
  • Canon EOS 2000D (die so ziemlich billigste DSRL, die man aktuell bekommen kann) mit dem 18-135 STM, das ich schon hatte, Huawei P20pro, die beiden hatte ich tagsüber in einer großen Fjällräven Ulvo Bauchtasche
  • Kleinkram (erste Hlfe, Schweizer Taschenmesser, Wasserflasche, GPS, Powerbank…)

Ein paar der Lebensmittel sind übrig geblieben. Auf die Softshell hätte ich ggf. verzichten können, ebenso auf ein Merinoshirt, ein paar Socken, die Fjällrävenhose, die Crocs und den Wasserfilter. Den Rest habe ich tatsächlich benutzt. Die meiste Zeit war es sonnig mit Tagestemperaturen anfangs von knapp 15 Grad, zwischendurch an manchen Tagen von nur ca. 5 Grad. Teilweise war es extrem windig, nachts lagen die Temperaturen teilweise knapp unter dem Gefrierpunkt.

Zwei Nächte habe ich in langer Unterwäsche geschlafen, sonst nur in Unterhose und einem Merinoshirt (das ich nur dafür genutzt hatte). Das war in dem Schlafsack dann in Kombination ok. Ich friere aber auch nicht so sonderlich schnell.

Die Ausrüstung hat sich komplett bewährt – das ist aber nicht verwunderlich. Da war eh kein billiges Zeug dabei und Wetter war nicht schlecht, meistens sogar richtig gut. Nach drei oder vier Stunden bei Regen in der Hardshell und mit Regenhose ist man zwar untendrunter feucht, aber das ist eher Schweiß als Regen… Blasen hatte ich keine, am Rücken bzw. den Schultern hatte ich auch am Ende keine Probleme mehr (anders als die ersten zwei Tage).

Tatsächlich waren mir die Etappen fast zu kurz, weil am Ende der Etappe noch so viel Tag übrig war und ich es als ungemütlich empfunden hätte, vor dem Zelt zu oder den ganzen nachmittag im Schlafsack zu liegen sitzen. Daher fand ich es praktisch, die Etappen auch von Hütte zu Hütte zu legen und dort dann ein wenig die Infrastruktur nutzen zu können – sprich nachmittags in der warmen Küche sitzen zu können. Trotzdem möchte ich gerne bei meiner nächsten Tour etwas mehr remote unterwegs sein. Für meine erste Tour dieser Art seit Jahren (mehrere Tage, erhebliches Gepäck, übernachten im Zelt) war das so aber ok, weil es einen Plan B gab. Das nächste Mal weiß ich, dass ich darauf auch verzichten kann, weil es reine Bequemlichkeit war, die mich in die Hütten getrieben hat… Jetzt muss ich für nächstes Jahr mal gucken, was ich machen könnte und wozu mir die Heimleitung das OK gibt 😉

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: letzter Wandertag und Rückreise

Samstag , 7.9.19: Nikkaluokta – Ladtjojaure – Nikkaluokta, 11,4km
Mein Bus fährt erst nachmittags, also lade ich den Rucksack an der Rezeption ab und laufe nur mit der Kamera in der Bauchtasche nochmal zum Ladtjojaure, esse eine Burger, trinke ein Bier und laufe retour. Die Wartezeit bis zur Abfahrt vertreibe ich mit einer Pfeife oder zwei.
In Kiruna laufe ich zum Hotel, checke ein und gehe nochmal kurz in den Coop ein bisschen Käse und Elchsalami einkaufen. Ich esse im Hotel, gucke noch ein bisschen TV, telefoniere mit der Heimleitung, lasse die letzte Woche Revue passieren und freue mich auf zuhause.

https://www.komoot.de/tour/92182402

https://www.strava.com/activities/2687181615

Sonntag , 8.9.19: Flug von Kiruna nach Stockholm mit SAS SK1049, 5 Stunden Aufenthalt in Stockholm, dann Flug von Stockholm nach Düsseldorf mit SAS SK2625.
In Stockholm treffe ich noch einen Bekannten, der eine Stunde zum Umstieg hat. Er kommt aus Norwegen und fliegt weiter nach Frankfurt (oder Stuttgart?). Die Wartezeit verbringe ich mit Essen, durch die Ladenzeile bummeln und lesen.

Eine Woche auf dem nördlichen Kungsleden: Kebnekaise – Nikkaluokta

Freitag, 6.9.19, Etappe 7: Kebnekaise – Nikkaluokta, 19,1km
Die letzte Etappe. Ein kleiner Blues überfällt mich, als ich morgens loslaufe. Es hat die ganze Nacht geregnet und erst morgens gegen 7 oder 8 aufgehört. Es ist relativ kalt und hat bis auf vielleicht 200 Meter über der Hütte runtergeschneit. Es ist sehr wolkig und eine zum Teil echt mystische Stimmung.

Der Weg läuft sich heute fast von alleine, ist aber auch recht gut zu laufen, also lange nicht so verblockt und geröllig wie zwischendurch teilweise. Am Ende des Ladtjojaure-Sees liegt das Enoks (http://www.enoks.se/en/), ein samisches (nicht „läppisches“) Restaurant, bei dem ich 5km vorm Ziel mir einen Rentierburger, eine Cola und eine Kaffee gönne. Lecker! Die letzten km sind flott gegangen, sind auch eh nur noch derer 5. Der Weg durch den Birkenwald ist einfach und tatsächlich sehe ich nochmal Rentiere, diesmal sogar auch mal von nahem, wenn auch im Wald und oft verdeckt. Aber hey, das ist cool!

In Nikkaluotkta angekommen gibt es natürlich ein Foto unterm „Tor“, ich beziehe eine Ferienwohnung für mich alleine, genieße die Dusche, sortiere mein Zeug (ist einfach, sauber ist eh quasi nix mehr), kaufe ein paar Mitbringesel im Shop ein (schöne, aber nicht günstige Sachen eher aus der Rubrik „Kunsthandwerk“) und esse abends den vorletzten Beutel Treckingnahrung.

https://www.komoot.de/tour/92060670

https://www.strava.com/activities/2685177733