Gear-Talk: Fjällräven Abisko Friluft 45

Ja, ich gebe es zu: ich mag die Klamotten und das Ausrüstungsgedöns von Fjällräven. Ich mag den Look, die Haptik, die Wertigkeit, die Durchdachtheit und die Robustheit. Ok, ich mag nicht den Preis, den die Schweden für ihr Zeugs aufrufen. Aber selten nur habe ich jemals die UVP bezahlt. Meistens findet man die Sachen dann doch off- oder online irgendwo günstiger.

Natürtlich sieht man Fjällräven mittlerweile auch in den Fußgängerzonen, aber trotzdem funktionieren die Sachen von denen einfach auch da, wo es darauf ankommt. Eine bessere Wanderhose als die Keb habe ich noch nie gesehen oder angehabt (wie insgesamt die ganze Keb-Serie für mich mit das beste ist, was es für anspruchsvolle Wandertouren gibt), aber was man echt so gut wie nie in freier Wildbahn sieht, sind die Rucksäcke aus der Friluft-Reihe. Fjällräven-Rucksäcke habe ich einige, aber der meistgenutzte dürfte wohl der Abisko Friluft 45 sein.

Nachdem man die Produktbeschreibung ja auch einfach bei Fjällräven selbst nachlesen kann hier mal ein paar Eindrücke von mir. Zunächst aber die Antwort auf die ungestellte Frage, wie bzw. ich wo ich den Rucksack genutzt habe… Zum einen als eigentlich viel zu großen und deswegen nur halbvollen Rucksack auf Tagestouren in der sächsischen Schweiz, der Eifel, dem Siebengerbirge und aber auch auf wirklich anspruchsvollen Touren in den Alpen, sei es Tages- oder Mehrtagestouren, so u.a. auch letztes Jahr auf der Hüttentour durchs Verwall. Egal, ob viertel-, halbvoll oder ganz voll, insgesamt habe ich den sicher einige hundert km und tausend HM durch die Gegend bewegt.

Neben der fjällräventypischen Robustheit (verbunden mit einem eher nicht als ultraleicht zu bezeichnendem Gewicht) und seinem wirklich super Tragekomfort ist er mal wieder durchdacht wie die meisten Produkte aus dem dem selben Haus. Sei es die kleine Pfeife am Burstgurt (warum haben die eigentlich nicht alle Wanderrucksäcke?), die beiden Taschen am Bauchgurt, die Möglichkeit, den Rucksack von vorne und nicht nur von oben zu beladen aber in diesem Fall auch die gebogene Form auf der Rückseite in Kombination mit dem Meshgewebe am Rücken, die für mich der größte Vor- und gleichzeitg auch Nachteil ist: Fjällräven schreibt, das sei ideal für feucht-heiße Klimata und das ist sicher auch richtig, weil man am Rücken weniger schwitzt bzw. die Feuchtigkeit besser entweichen kann.

Tatsächlich ist das aber fast sogar noch wichtiger, wenn es kalt und nass ist. Schon mal bei Temperaturen um den Gefrierpunkt so richtig ins Schwitzen gekommen und nass geworden, weil die Feuchtigkeit, so lange man in Bewegung war und den Rücken mit einem Rucksack „versiegelt“ hat, nicht entweichen konnte? Das ist mal richtig ätzend. Im Sommer ist es nur unangenehm, aber im Winter kann das auch wirklich zum Problem werden, wenn man dann keine ausreichenden Wechselklamotten dabei hat und sich nicht aufwärmen kann. Tunlichst sollte man im Winter vermeiden, ins Schwitzen zu geraten, aber immer geht das halt nicht. Und da ist es also doppelt wertvoll, wenn sich die Feuchtigkeit nicht am Rücken staut und man es erst merkt, wenn man den Rucksack mal bei einer Pause eine zeitlang absetzt und dann entsprechend auskühlt.

Zudem: Bei Rucksäcken, die direkt Rücken anliegen, kommt es gerne mal vor, dass bei einem ausgiebigen Regen, das Wasser nicht vorne in den Rucksack eindringt, sondern am Rücken, wo es oben an den Schultern zwischen Jacke und Rucksack schön langsam runterläuft und sonst nirgendwo hinkann außer eben in den Rucksack selbst und sich dann nach einiger Zeit auch den Weg hinein sucht (und findet!). Auch hier zahlt sich die Form aus: das Wasser läuft ab und der Inhalt des Rucksacks bleibt trocken.

Aber kein Vorteil ohne Nachteil und den will ich nicht verschweigen – wobei du selber entscheiden musst, wie wichtig dir das ist: durch die gebogene Rückenform taugt er weniger für den Weg zur Uni oder so, weil man Laptop, Ordner o.ä. nicht gut reinbekommt und man den Platz, den der Rucksack bietet, nicht gut ausnutzen kann.

Zudem, und das ist das eigentlich größere „Problem“, wenn es denn eines ist, führt die Form dazu, dass der Schwerpunkt weiter vom Körper entfernt ist. Meistens wird man das kaum merken, aber die bei Touren, wie wir sie in den Alpen machen, ist auch schonmal Kletterei dabei. Nichts ganz wildes, aber wenn es senkrecht den Berg hochgeht, man auch beide Hände braucht, sich mal wo hoch ziehen oder drücken muss und dabei beweglich bleiben will, kann sich das durchaus störend bemerkbar machen, wenn das Gewicht am Rücken nicht so körpernah wie möglich anliegt. Zudem ist der Rucksack schmal und dafür recht lang, da kann es auch mal passieren, dass man mit dem Kopf oder der Kopfbedeckung (mein Wanderhut hat eine Krempe) anstößt. Kann nerven, kann doof sein – muss aber jeder selber wissen. Ich denke auch, dass er mit 12kg (oder nicht zu viel mehr) gut ausgelastet ist. Je schwerer, dessto mehr fällt der o.g. Punkt halt „ins Gewicht“ 😉 Davon, dass er dann aber am Rücken beim Gehen von links nach rechts schwingt, wie mal jemand einem Youtube-Video meinte, kann ich nichts berichten.

Für eine klassische Hüttentour ist der 45er eigentlich zu groß, aber in Corona-Zeiten war im Sommer 2020 das Gebot, u.a. einen eigenen Schlafsack mit auf die Hütten zu nehmen. Dafür war das zusätzliche Volumen dann wieder ganz ok. Es gibt ihn auch in 35 Liter (bzw. auch in 55, 65 und 75 Liter, die fallen aber einfach in eine ganz andere Rubrik als ihre zwei kleinen Geschwister, weil sie für mich eher Trecking-Rucksäcke sind), ich habe aber auch einen 30er von Deuter und da war mir ein 5 Liter Abstand zu gering. Ich wollte einen Rucksack, der deutlich größer ist als der 30er, aber Luft zu meinem 75er Kajka lässt. Und die Lücke füllt er so gut und mit so viel Komfort, dass ich ihn wie schon geschrieben, oft nur halbvoll auf Tagestouren mitnehme, einfach weil er sich so gut trägt. Dafür bleibt der kleinere und leichte Daypack dann zuhause.

Kaufempfehlung? Jepp. Guckt halt, dass ihr ihn irgendwo unter UVP findet, aber das sollte eigentlich kein großes Thema sein.

Gear-Talk: Bikepacking-Taschen von Ortlieb

Ich habe seit eh und je Ortlieb-Taschen für meine (viel zu seltenen) Radtouren mit Gepäck. Die letzte vor Jahren war vor über 10 Jahren mit Oli in Irland. Meine Seitentaschen und Lenkertasche habe ich aber schon seit eher 20 Jahren. Zugegebenermaßen nicht oft genutzt, aber einfach super und im Design auch bis heute kaum verändert. „Damals“ gab es ja auch wenig Alternativen zu Orlieb, wenn es wasserdicht sein sollte.

In den letzten Jahren gibt es „bikepacking“ als neuen Trend – eher kleine, schmale Taschen, die rund ums Rad verteilt werden und dort mit Riemen und Schnallen befestigt werden. Der erste große Vorteil ist, dass man diese Taschen an Rädern befestigen kann, die nicht über einen Gepäckträger o.ä. verfügen. Der zweite große Vorteil ist die bessere Gewichtsverteilung, die man damit erzielen kann (jeder der schon man große Seitentaschen am Rad hat, weiß wie „schwabbelig“ sich das Rad dann anfühlt) und die vermutliche bessere Aerodynmaik. Man steht halt nicht im Wind wie eine Gelsenkirchener Schrankwand 😉

Die komplette bikepacking-Ausrüstung

Nachdem ich im Moment für meine Verhältnisse wieder viel Rad fahre, habe ich mich mich mal ausgestattet, frei nach dem Motto „haben ist besser als brauchen“ 😉

Das ganze sieht dann jetzt so aus (alles Ortlieb, außer es steht dabei):

Also, der Spaß ist mal nicht billig. Ortlieb ruft für das komplette Set lockere 435 bis 450 EUR auf – im Handel zahlt man dann vielleicht 20% weniger, wenn man ein Angebot findet. Immer noch kein Schnapper… Aber was bekommt man denn dafür:

Das Seatpack ist super. Lässt sich in 2 Minuten am Sattel festmachen, hat mit 16,5 Litern ein üppiges Volumen, oben drauf noch Riemen um eine Jacke oder irgendwelchen Kleinkram dran festzumachen. Gedacht sind diese Satteltaschen für großvolumiges, aber eher leichtes Gepäck, also z.B. Kleidung oder einen Schlafsack. Sitzt recht fest und wackelt auch nicht, wenn im Wiegetritt das Rad in Querbewegung gerät.

Das Framepack ist ebenfalls top. Sitzt gut am Rad, lässt sich auch recht einfach befestigen und dafür gedacht, schweres kleines Zeug aufzunehmen. Dem Framepack fallen bei meinen Rädern die Trinkflaschenhalterungen zum Opfer, für die dann im Rahmendreieck kein Platz mehr ist. Darum die beiden Pouches, die ich dann je eine links und rechts vom Vorbau mit den Riemen der Lenkertasche befestigt habe. Die beiden Dinger sind dann auch super, die Flaschen haten da wirklich gut drin, sind aber auch gut rein und rauszunehmen. Genausogut kann man in den Taschen Riegel oder ähnliches verstauen. Coole, kleine Dinger!

Das Cockpit Pack für Riegel oder Geldbörse ist okay, aber nicht großartig. Es müßte größer sein, dann würde auch ein moderndes Smartphone reinpassen. Mein Huawei P20 ist zu groß und der Reißverschluss ist derartig schwergängig, dass man es beim Fahren kaum auf bzw. vor allem wieder zu bekommt. Aber es erfüllt seinen Zweck.

Die Handlebar Pack ist so lala. Total nervig zu befestigen, in der kleinen Variante wirklich klein und auf dem Dropbar schlecht zu öffnen und wieder zu schliessen. Die große passt aber nicht an einen Dropbar (zumindest nicht an meinen, weil sie zu breit ist). Schlafsack und Isomatte passen da nur in der Winzausführung rein. Außerdem lässt sie die Tasche (zumindest an meinem Rad) nur so befestigen, dass sie relativ weit herunterhängt. Und zwar so weit, dass das Accessory Pack mir auf dem Vorderrad vorne auf dem Rad zwei- oder dreimal aufsetzte und ich das erst nicht gemerkt habe. Jetzt hat sie unten ein Loch ;-(

Ist jetzt mit Gaffatape geklebt, aber natürlich trotzdem murks. Für mich sind die beiden Taschen irgendwie eine kleine Fehlkonstruktion und werden vielleicht gegen diese hier getauscht: https://www.bike-packing.de/revelate-designs-handlebar-harness-lenkergeschirr. Das „Geschirr“ hat den Vorteil, dass man eine normale Gepäckrolle dort befestigen und auch recht flott vom Rad abmachen kann, wenn man das Gepäck darin schnell und komplett mal mit ins Zelt oder aufs Hotelzimmer nehmen will. Die Ortliebtasche abzubauen dauert echt ewig und ist total fummelig.

Das kleine Setup…

Es geht auch kleiner: Nur das Seatpack und eine kleine Vaude-Rahmentasche (https://www.vaude.com/de-DE/Ausruestung/Fahrradtaschen/Rahmentaschen/Cruiser-Bag?number=127120230) und das Cockpit-Pack. Das Seatpack ist wie man sieht echt voll, aber da war auch ein Schlafsack, zwei T-Shirts, Unterwäsche, eine Hose, ein paar Schuhe und eine Waschtasche drin. In der Rahmentasche ist Platz für Werkzeug, Ersatzschlauch und ein wenig Kleinkram. Das reicht dann für einen Overnighter, bei dem man nicht draussen pennt.

Fazit: Der Krempel von Ortlieb ist teuer, aber vergleichbare Produkte sind nicht wirklich billiger. Die Taschen am Rad zu befestigen ist teilweise nervige Bastelei, da weiß ich nicht, wie das bei anderen Produkten gelöst ist; hängt vielleicht auch vom Rad ab, wie gut zugänglich manche Ecken und Winkel am Rahmen sind. Die Verarbeitung ist ortliebtypisch gut und manche Details sind auch gut gelöst (wie z.B. das Luftauslassventil am Seat Pack, um die Luft rauszulassen, die beim zusammenrollen das Ding sonst aufblähen würde). Teilweise sind aber auch echt grobschlächtige Details verbaut: so finde ich die Metallhaken, mit denen man das Accessory Pack am Handlebar Pack befestigt, überdimensioniert – aber sie tun ihren Job. Aussehen tun sie aber, als wären sie aus einer russischen Eisenbahnschiene von Hand gedengelt.

Man bekommt nur begrenzt viel Gepäck unter, und normale Isomatten und Schlafsäcke quasi gar nicht. Im Vergleich dazu ist die klassische Lösung mit Gepäckträger und Seitentaschen (und vielleicht Frontrollern oder Lenkertaschen) einfacher, wenn „viel“ Gepäck inkl. Zelt oder so mit soll.

In einem Satz: gut, aber nicht perfekt und teuer. Lohnt sich eigentlich nur, wenn man es intensiv zu nutzen gedenkt oder ein Rad hat, an dem man klassische Taschen wirklich nicht montieren kann.

Spart Pickup – ein Panzer auf zwei Rädern

Oder, man nimmt halt direkt sowas fürs bikepacking, da geht dann auch vorne ’ne Kiste Bier rein 😉