L’Eroica – die Heldenhafte

La bellezza della fatica e il gusto dell’impresa – Der Zauber der Erschöpfung und die Lust am Wagnis.

In die Toskana fahre ich nun mehr oder weniger regelmäßig seit über 20 Jahren, im Schnitt einmal pro Jahr bestimmt. Nicht immer, doch aber immer mal wieder ist auch das Rennrad mit dabei. Aber eigentlich immer das moderne aus Carbon mit irgendwas zwischen 20 und 30 Gängen (mein leider geklautes Stevens SCF 2 hatte 3×10, das neue „nur“ 2×11).

Die Straßen und die Landschaft der Toskana, insbesondere im Chianti-Gebiete, sind zum Fahren einfach traumhaft und was gibt es schöneres, als auf der Tour unterwegs einen Espresso zu schlürfen und sich nach der Tour abends mit italienischem Essen und Rotwein zu belohnen? Nix.

Immer mal wieder sind wir dann an diesen „L’Eroica-Schildern“ vorbegekommen. Als ich solche Schilder das erste Mal gesehen habe, war die Eroica vermutlich auch noch keine 10 Jahre alt. Nachdem zwischendurch mal die Regeln angepasst wurden, ist sie in ihrer Urfassung das größte (?), aber auf jeden Fall das bekannteste Klassikerrennen für Radsportler, wobei sie eigentlich kein Rennen ist, sondern eher Brevet-Charakter hat: es geht nicht um die schnellste Zeit, es gibt aber „Zeitlimite“.

Ansonsten sind die Regeln recht simpel: Das Rad muss Baujahr 1987 oder älter sein, die Bremzüge müssen als Wäscheleinen frei sein (also nicht am Lenker verlegt), das Rad hat eine Unterrohrschaltung zu haben und man fährt mit Riemenpedalen und Klamotten aus der Zeit.

Ausgetragen das erste Mal 1997 mit nur etwas über 90 Teilnehmern hat sie sich über die Jahre zu einer wirklich großen Veranstaltung mit etlichen Ablegern weltweit und für die Toskana zu einer wahren Attraktion entwickelt. Nicht, dass es die Toskana notwendig hätte, sich neben einer endlosen Liste von Kulturgütern, einer wunderschönen Landschaft und gutem Essen und Trinken noch mit weiteren Attraktionen zu brüsten, aber man kommt an keinen Souvenirshop mehr vorbei, ohne das einen das Eroica-Logo anspringt.

Auf dem Weg in die Toskana haben wir auch ab Mailand die ersten anderen Autos mit klassischen Stahlrennrädern auf dem Fahrradträger gesehen, ab spätestens Bologna war sie dann wirklich nicht mehr zu übersehen, die Karawane mit zweirädrigem Altmetall auf dem Weg in den Süden 😉

Irgendwann letztes Jahr habe ich dann den „Schmidt Max“ auf Youtube in der Toskana gesehen. „Schmidt Max“ ist eh lustig und als mir dieser Film vom freundlichen Youtube-Algorithmus zwischen GCN und irgendwelchen bikepacking-Videos vorgeschlagen wurde, bin ich direkt hängen geblieben…

Kumpel Oli war auch schnell überzeugt und so sind wir dann heuer mitgefahren. Ein passendes Rad hatten wir beide nicht, sind aber auf ebay-kleinanzeigen fündig geworden. Meines ist ein GESTA aus der Mitte der 80er Jahre. Gerd Stammel (der Name hinter GESTA) ist ein Kölner Rahmenbauer, die Werkstatt ist im selben Stadtviertel, in dem ich auch wohne. Das ist halt schon cool, ein Rad zu haben, was nicht jeder hat und dann auch noch mit einem starken lokalen Bezug. Am Rad sind im wesentlichen Shimano 600-Komponenten verbaut. Als ich es gekauft hatte, war es zwar in einem guten Zustand, aber mit einem modernen Sattel, einem Mustache-Lenker und 105er-Teilen verbastelt. Dankenswerterweise war aber eine Kiste alter Komponenten dabei, aus der ich mich bedienen konnte.

Pedale, Lenker und einen (kürzeren) Vorbau hat die Werkstatt der Schicken Mütze beigesteuert. An dieser Stelle nochmal mein Dank für die Durchsicht, Reifenmontage etc. Das Rad fuhr auf der Eroica wie ein Traum!

Die Eroica in Gaoile kann man auf Runden zwischen 46 und 209km erleben, die ganz im Sinne alter Zeiten zu einem guten Teil Schotterstraßen enthalten. Tatsächlich fließt sogar ein Teil der Startgebühren in den Unterhalt dieser strade bianche ein, die für die Toskana nahezu die selbe Bedeutung haben, wie das pavé, also das Kopfsteinpflaster für Flandern und Nordfrankfreich – zumindest wenn man den Radsportler fragt. Nicht umsonst gibt es seit 2007 ein nach diesen Straßen benanntes Rennen (nämlich das Strade Bianche) in der Toskana, welches anfangs sogar Monte Paschi Eroica hießund wie man dem alten Namen entnehmen kann, auch mindestens der Idee her nach der Eroica entsprungen ist.

Wir hatten uns für die 106km-Runde entschieden: Alles ab 100km ist ernsthaftes Radfahren, aber wir wollten ja auch Zeit zum Gucken und Genießen haben. Meine reine Fahrzeit war mit 6 1/4 Stunde wegen zwischenzeitlichen Schiebens (bergab!) und Fotos machen schon relativ langsam, insgesamt war ich fast 10 Stunden unterwegs. Man trödelt doch eine ganze Weile rum an den Verpflegungstellen, beim Gucken, Futtern und Schwatzen. Also eigentlich ziemlich perfekt.

Oli als alter Flachlandbewohner hatte mit den Höhenmetern und der aus seiner Sicht etwas zu großen Übersetzung an seinem Rad etwas mehr zu kämpfen, kam dann aber auch eine knappe Stunde nach mir an.

Würden wir es wieder tun? Auf jeden Fall! Mit viel Liebe organisiert, tollste Gegend überhaupt zum Radeln und noch ein Grund mehr, nächstes Jahr wieder in die Toskana zu fahren!

Strava April Gran Fondo in Zeiten von Corona

Ein Gran Fondo auf Strava ist eine „Herausforderung“ (https://www.strava.com/challenges) bzw. in dem Fall zusammenhängende Radeinheit von mindestens 100km innerhalb von 24 Stunden. Das ganze gibt es regelmäßig, also für jeden Monat neu als Herausforderung auf Strava. Klar Gamification erhöht die Nutzerbindung, und wie man an mir sieht, funktioniert das ja auch…

Nachdem ich dieses Jahr außer mit meinem Brompton zum Bahnhof hin und zurück noch gar nicht draußen mit dem Rad unterwegs war, habe ich mir gedacht, dass es doch eine gute Idee sei, im April einfach mal einen flotten 100er zu fahren. „Flott“ ist relativ, aber das lassen wir mal dahingestellt. Zumindest stolperte ich auf Strava über die entsprechende Challange https://www.strava.com/challenges/gran-fondo-April-2020 und habe „Jetzt beitreten“ geklickt 😉

Nun ist es so, dass wir im Frühjahr 2020 in den Zeiten der Covid-19- oder Corono-Krise leben. Dramatische und tragische Schlagzeilen, einen große Wirtschaftskrise, massive Unsicherheit in allen Bereichen, geschlossene Geschäfte, Ausgangsbeschränkungen oder Kontaktsperren bestimmen unseren Alltag.

Ist es (moralisch) vertretbar, in solchen Zeiten Sport zu treiben? Ich glaube erstmal ist es notwendig, zumindest für mich. Bei aller Akzeptanz und dem Befolgen notwendiger Einschränkungen halte ich Sport als Ausgleich für die körperliche und auch geistige Gesundheit für extrem wichtig. Wir hocken seit nunmehr dreieinhalb Wochen zuhause und halten uns an die Vorgaben, zumindest soweit wir das können. Keine unnötigen Aufenthalte draussen, einkaufen nur alleine und nicht zu zweit, nahezu totale Reduktion der persönlichen Sozialkontakte… Das ist nicht gesund, körperlich nicht und schon gar nicht für das Gemüt. Daher steht bei uns Sport (drinnen wie draußen) als kleiner Ausgleich auf dem festen Tagesplan. Draußen aber nur so, dass wir auch dabei „Social-Distancing“-konform unterwegs sind: Spaziergänge oder Wanderungen da, wo es keine touristischen Hotspots gibt und man ergo wenig anderen Menschen über den Weg läuft. Zur Not kann man sich in Wald und Feld ja auch gut aus dem Wege gehen.

Und bei mir ist es so, dass ich nach einer halben Stunde Wandern oder auf dem Rad nicht mehr an all die Scheiße denke, mit dem einen die Nachrichten momentan pausenlos zuballern, sondern ans Wandern oder Radfahren oder auch mal an genau gar nichts.

Wie sieht es also mit Rennradfahren aus? Genauso. Definitiv ein gesunder Sport, überschaubares Risiko und da ich eh fast immer alleine unterwegs bin, funktioniert auch das Social Distancing.

Nochmal zurückkommend auf den moralischen Aspekt sehe ich das für mich so, dass es unabhängig von einer Corona-Krise jederzeit so viele Krisen auf der Welt gibt, so viel tragisches und trauriges täglich passiert, dass man entweder nie oder immer etwas für sich tun darf, ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben. Es ist zu vermeiden, etwas zu tun, mit dem man das Gesundheitssystem unnötig belasten würde, aber Individualsport ohne besondere Risiken finde ich völlig ok. Und ich ann ja das eine tun, ohne das andere zu lassen, sprich mich verantwortlich und empathisch zu verhalten.

Also, der April Gran Fondo. 100 km am Stück auf dem Rad. Dieses Jahr noch keine sportliche Radtour draussen gemacht, aber direkt mal 100 km – beste Voraussetzungen 😉

Da passte es ganz gut, dass wir gestern in die Eifel mussten und ich dann einfach mit Rad zurück konnte. Mit einer kleinen Extra-Schleife kommt man dabei auch auf über 100km und das bei einer äußerst hilfreichen negativen Höhenmeterbilanz (sprich, es geht mehr bergab als bergauf) – trotzdem waren es noch gute 760Hm bergauf… 😉

Lange Rede, gar kein Sinn, hier die Tour von gestern: